• Wilde Cousinen der Honigbiene

    Fleissige Bestäuber

    Bildunterschrift einblenden

    Entfernte Verwandte der Honigbiene: Die Gruppe der Wildbienen ist groß und vielfältig, dazu zählt auch die Art der Schöterich-Mauerbienen.

Wildbienen sind wie Honigbienen wichtige Bestäuber vieler Kulturpflanzen. Wissenschaftler auf der ganzen Welt haben sich daher zusammengeschlossen, um ein besseres Verständnis dafür zu erlangen, wie Bienen dabei unterstützt werden können, zukünftig noch mehr Pflanzen zu bestäuben.

Story check

  • Herausforderung:
    Rund 5 bis 8 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion hängen von der Bestäubung durch Bienen oder andere Insekten ab. Dabei spielen auch die – bisher noch wenig erforschten – Wildbienen eine große Rolle. Die internationale Forschergemeinde will mehr über diese Gruppe erfahren.
  • Lösung:
    Forscher auf der ganzen Welt untersuchen in verschiedenen Projekten die Biologie von Wildbienen, ihre Rolle für die Bestäubung und wie sie mit Honigbienen interagieren.
  • Nutzen:
    Durch diese Forschungsergebnisse wird die gesamte Bestäubungseffizienz gesteigert und der Artenschutz gefördert. Landwirte erhalten das nötige Wissen, das richtige Gleichgewicht zwischen Naturschutz und Landwirtschaft in ihren Betrieben herzustellen.

Die Honigbiene gehört zu den beliebtesten Insekten der Menschen. Seit ihrer Domestizierung vor mindestens 6.000 Jahren haben diese Arten eine wichtige Rolle bei der Honigproduktion und später bei der Bestäubung von Nutzpflanzen gespielt. Doch auch wenn die westliche Honigbiene die bekannteste Bienenart ist, ist sie nur eine von mehr als 20.000 verschiedenen Bienenarten weltweit. Dazu gehören andere Honigbienen, Hummeln, Solitärbienen und stachellose Bienen.

Bienen unterscheiden sich stark in Aussehen, Größe und Vorlieben. Einige Wildbienen – wie die verschiedenen Arten stachelloser Bienen und viele Hummelarten – leben in Kolonien, die meisten Wildbienen jedoch allein. Während betreute Honigbienen in Bienenstöcken leben, sind Wildbienen auf eine Vielzahl von Nistplätzen angewiesen.

80 Prozent nisten im Boden, einige Arten graben sich in Holz ein oder leben in leeren Schneckenhäusern, während andere nach Löchern in Steinwänden suchen. Mit ihren Ernährungsgewohnheiten haben sich Wildbienen in unterschiedlichem Maße an verschiedene Pflanzenarten angepasst.

Zur Fortpflanzung müssen sich Pflanzen entweder selbst bestäuben oder externe Vektoren einsetzen, um ihren Pollen von einer Blume zur anderen zu transportieren und die weiblichen Teile einer anderen Blume zu befruchten. Während Wind und Wasser einige Pollen transportieren, tragen Tiere dazu bei schätzungsweise 87,5 Prozent der blühenden Pflanzenarten zu bestäuben. Es wird angenommen, dass bis zu 200.000 Tierarten als Bestäuber fungieren, und es gibt sie in vielen Formen und Größen. Darunter sind circa 1.000 Wirbeltiere, wie kleine Säugetiere, Fledermäuse und Vögel. Insekten bilden die mit Abstand größte Gruppe, darunter unter anderem Bienen, Fliegen, Schmetterlinge, Käfer, Wespen, Motten, Mücken und Ameisen.


Hummeln

Auf Futtersuche: Hummeln sind nicht wählerisch und sammeln Nektar und Pollen diverser Pflanzen.

Ökologische Eigenschaften

  • Überwiegend wild lebende Insekten
  • Die meisten Arten leben in Kolonien (Größe: 50–500 Bienen).
  • Verschiedene Nistplätze: Die meisten Hummeln bevorzugen trockene, dunkle Hohlräume.

Lebensgewohnheiten

  • Aufgabenteilung und kooperative Betreuung des Nachwuchses (eusozial)
  • Königin: Eiablage, Koloniegründung (1 Jahr)
  • Arbeiter: verschiedene Aufgaben – Brutpflege, Nahrungssuche, Verteidigung (5–6 Wochen)
  • Drohnen: Reproduktion (mehrere Wochen) ´
  • Nur die Königinnen überwintern.

Nahrung

  • Generalisten: breite Palette von Pflanzen
  • Benötigen: Nektar (Kohlenhydratquelle) und Pollen (Proteinquelle) – die Speicherkapazität ist begrenzt.
  • Suchradius: typischerweise < 1,7 km

Relevanz für den Menschen

  • Bestäubung

Auch in der Landwirtschaft sind Insekten die dominierenden Bestäuber. Bienen führen die Liste der Bestäubungsdienstleister an. Der globale wirtschaftliche Wert der Insektenbestäubung wird auf bis zu 577 Milliarden US-Dollar geschätzt. Rund 5 bis 8 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion hängen von der Bestäubung durch Bienen oder andere Insekten ab. Nicht alle Bienenarten sind für die landwirtschaftliche Bestäubung wichtig. Tatsächlich sind nur zwei Prozent aller Bienenarten für 80 Prozent der Bestäubung der Pflanzen verantwortlich, während bedrohte oder seltene Arten auf den Feldern kaum beobachtet werden. Für die Herstellung einiger wichtiger Grundnahrungsmittel wie Getreide, Mais oder Kartoffeln ist keine Bestäubung durch Insekten wie Bienen, nötig. Ohne die Hilfe der Bienen wäre unsere Ernährung jedoch deutlich weniger bunt und vitaminreich, da viele unserer Früchte, Gemüse und Nüsse teilweise auf sie angewiesen sind.

Sowohl Wildbienen als auch von Imkern betreute Bienen tragen auf ihre eigene Weise zur Bestäubung der Pflanzen bei. Vielerorts ergänzen sie sich gegenseitig und erhöhen die Bestäubung insgesamt, doch an anderen Orten kann es durch den Wettbewerb um Nahrung und Lebensraum zu negativen ökologischen Folgen kommen. Neben den Honigbienen verlassen sich die Züchter zunehmend auf andere betreute Bienenarten, um ihre Ernten zu bestäuben. Sie verwenden Hummeln in Gewächshäusern, Mauerbienen in Obstgärten und Blattschneiderbienen für Luzerne. Nicht betreute Wildbienen erbringen auch Bestäubungsdienste und spielen in bestimmten Landschaften eine wichtige Rolle. Professor David Kleijn von der Universität Wageningen in den Niederlanden führte eine Fünf-Kontinente-Studie zur Bestäubung durch. Er fand heraus, dass „Wildbienen jährlich 3.000 US-Dollar pro Hektar zur Produktion von insektenbefruchteten Ackerkulturen beitragen.“ Das entspricht ungefähr dem Wert, den betreute Honigbienen erwirtschaften.

Für den Landwirt sind die Größe der Gruppe und die Vielfalt der Wildbienen extrem vorteilhaft. So besteht die Chance, dass es unter ihnen einen Bestäubungsspezialisten für seine Region und seine Kulturen gibt. Wildbienen stehen ihm außerdem frei zur Verfügung, sofern Kultur und Landschaft ein geeigneter Lebensraum sind. Zudem leben die meisten Wildbienenarten nicht in Kolonien, sodass sie weniger anfällig sind für Krankheiten, die zum Beispiel betreute Bienenvölker hart treffen können.


Solitärbienen

Einzelgänger: Solitärbienen leben alleine. Viele Arten bevorzugen Nistplätze in der Erde.

Ökologische Eigenschaften

  • Wild lebende Insekten
  • Nistplätze: hauptsächlich im Boden (80 Prozent), verschiedene andere Nistplätze, z. B. Totholz

Lebensgewohnheiten

  • Einzelgänger
  • Keine Königin
  • Weibchen: Eier legen, Futter finden, Nistplatz, vorbereiten, Brutpflege
  • Männchen: Fortpflanzung
  • Lebensdauer: Wochen bis Monate
  • Überwinterung: Viele Arten überwintern als Puppe.

Nahrung

  • Spezialisten: beschränkt auf ausgewählte Pflanzen
  • Benötigen: Nektar (Kohlenhydratquelle) und Pollen (Proteinquelle)
  • Suchradius: artabhängig (0,1–1,2 km)

Relevanz für den Menschen

  • Bestäubung (ca. 2 Prozent aller Wildbienenarten fungieren als Bestäuber für 80 Prozent aller weltweiten Pflanzen)

Bestäubungsdienstleister sind zum Teil verlässlicher
Dennoch stellen einige Landwirte fest, dass lokale, wilde Bestäuber nicht den Bestäubungsdienst bieten, den sie benötigen. So sind beispielsweise Wildbienen in intensiv genutzten Landschaften oft zu spärlich verbreitet, um die Pflanzen ausreichend zu bestäuben. Deswegen entscheiden sich viele Landwirte, betreute Bestäuber zu kaufen oder zu mieten. Diese erbringen Bestäubungsdienste auf zuverlässigere Weise. „Bei der Pflanzenproduktion geht es letztendlich darum, das richtige Gleichgewicht zu finden”, sagt Christian Maus von „Regulatory Landscape and Intelligence“ in der Bayer-Division Crop Science in Monheim, Deutschland. Eine Mischung aus betreuten und wilden Bestäubern ist für viele Pflanzen das ideale Szenario.

Wildbienen können viel leistungsfähigere Bestäuber sein als ihre Honigbienen-Verwandten. Wenn zum Beispiel verschiedene Apfelsorten in Reihen gepflanzt werden, bleiben die Honigbienen fast immer bei derselben Sorte. Viele
wilde Arten hingegen fliegen von einer Reihe zur anderen – was wichtig sein kann, wenn Blüten einer Sorte mit Pollen einer anderen bestäubt werden müssen, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Zudem sind sie noch präzisere Bestäuber als Honigbienen. Die rote Mauer biene zum Beispiel klebt den Pollen für den Transport nicht zusammen, sondern trägt ihn nur im trockenen Zustand. Das macht ihre Bestäubungsarbeit deutlich effektiver.

Darüber hinaus fungieren Wildbienen manchmal als „Influencer” des Verhaltens der Honigbienen, die sie gelegentlich von ihren Lieblingspflanzen vertreiben und sie dadurch zwingen, von ihrer Route abzuweichen. Maus erklärt dieses Phänomen am Beispiel von Sonnenblumen: „Forschungsarbeiten an hybriden Sonnenblumen in Kalifornien ergaben, dass Interaktionen zwischen Wildbienen und Honigbienen die Bestäubungseffizienz um das bis zu Fünffache steigern.“ War die Zahl der Wildbienen gering, produzierte die Bestäubung durch Honigbienen durchschnittlich drei Samen pro Besuch. Als die Wildbienen reichlich vorhanden waren, stieg die Zahl auf 15 Samen. „Diese gesteigerte Bestäubungsleistung resultiert aus einer höheren Aktivität der Honigbienen, weil die Wildbienen sie stören“, erklärt Maus.

Forscher arbeiten daran, die Biologie der Wildbienen und ihren potenziellen Beitrag zur Bestäubung der Pflanzen besser zu verstehen. Dazu gehören auch Projekte, die von Bayer-Forschern ins Leben gerufen wurden. Ihr Ziel: herausfinden, ob einige Wildbienenarten zu spezialisierten Bestäubern für verschiedene Nutzpflanzen werden könnten. „Derzeit führen wir beispielsweise drei Projekte in Thailand, Brasilien und Afrika durch, um die Bestäubungseffizienz von stachellosen Bienen und anderen Bienenarten in Kulturen mit Mangos, Treibhausgemüse, Macadamianüssen, Cashewnüssen und Kaffee zu untersuchen”, sagt Maus.

Um Wildbienen auch in Zukunft zu schützen, setzt sich Bayer für ihre Erhaltung ein. So arbeiten Bayer-Wissenschaftler beispielsweise gemeinsam mit externen Forschern am Projekt „Ökologische Aufwertung der Ackerflächen im Oberrheintal”, zur Förderung von Wildbienenarten in Testgebieten auf zwei Bauernhöfen im Südwesten Deutschlands. Dies findet in einer Region statt, in der die Landschaft von Mais und Getreide dominiert wird. Arno Schanowski, Mitglied im Projektteam und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz in Bühl, erklärt: „Die Zunahme der bewirtschafteten Flächen hat dazu geführt, dass immer weniger Flächen übrig bleiben, auf denen Wildbienen einen Nistplatz und Lebensraum mit ausreichender Nahrung finden können.” Um die Anzahl von Wildbienen zu erhöhen, konzentriert sich das Projekt daher auf die Suche nach ökologischen Verbesserungsmaßnahmen wie Blühstreifen, um die Vielfalt und den Artenreichtum bei Wildbienen und Schmetterlingen zu steigern. Unser Ziel: die optimale Kombination aus Wildblumen und deren beste Aussaatzeit zu finden.


Stachellose Bienen

Nestbewacher: Bei den stachellosen Bienen ist die Aufgabenverteilung klar geregelt.

Ökologische Eigenschaften

  • Wild lebende oder betreute Insekten
  • Leben in Kolonien (Größe: 300–80.000 Bienen)
  • Nistplätze: meist in Pflanzen oder Bodenhohlräumen

Lebensgewohnheiten

  • Aufgabenteilung und kooperative Betreuung des Nachwuchses (eusozial)
  • Königin: Reproduktion
  • Arbeiter: verschiedene Aufgaben – Kämme bauen, Nahrungsmittel verarbeiten, Nest vorbereiten, Futter suchen, Verteidigung
  • Drohnen: Reproduktion

Nahrung

  • Überwiegend Generalisten: breite Palette von Pflanzenarten
  • Benötigen: Nektar (Kohlenhydratquelle) und Pollen (Proteinquelle)
  • Suchradius: 400 m bis 1,5 km

Relevanz für den Menschen

  • Bestäubung und Honigproduktion

Blumenmischungen für Wildbienen
„Wir haben zunächst mit Jahresmischungen gearbeitet, die im Frühjahr ausgesät, im Herbst wieder umgepflügt und im nächsten Jahr wieder ausgesät werden. In den folgenden Jahren haben wir verschiedene Mischungen getestet und eine Kombination aus Einjahres-, Zweijahres- und Mehrjahrespflanzen entwickelt, die teilweise im Herbst ausgesät wurden”, erklärt Schanowski. Diese Methode hat sich bewährt. „Durch diese Optimierung der Blumenmischungen und der Bewirtschaftung des Gebiets hat sich die Artenzahl deutlich erhöht – von 30 Wildbienenarten im Jahr 2011 auf insgesamt rund 130 Arten im Jahr 2017.” Dieses positive Ergebnis führte sogar dazu, dass das Projekt über das Jahr 2019 hinaus verlängert wurde. „Ich begrüße diese Entscheidung sehr. Durch die Kontinuität können wir unser fundiertes ökologisches Know-how aus dem Projekt an eine breite Gruppe von Landwirten und andere Interessengruppen weitergeben. Für die Erhaltung und Förderung der biologischen Vielfalt in unseren ländlichen Gebieten ist das von unschätzbarem Wert”, ergänzt Schanowski.

Es besteht kein Zweifel daran, dass Bienen und andere Bestäuber weltweit eine wichtige Rolle in der Landwirtschaft spielen. Aufgrund ihrer Bedeutung ist es unerlässlich, mehr darüber herauszufinden, welche Pflanzen welche Bestäuber benötigen. Außerdem ist es wichtig zu wissen, wie sowohl wilde als auch betreute Arten am besten geschützt werden können. Bayer arbeitet daran aktiv mit. Das Unternehmen ist überzeugt, dass die Bewirtschaftungsmaßnahmen – sei es zur Erhöhung der Bestäubung oder zur Erhaltung der Bestäuber – verfeinert und gezielter werden. Dadurch erhalten Landwirte das Wissen und die Werkzeuge, um das richtige Gleichgewicht zwischen Landwirtschaft und Naturschutz in ihren Betrieben herzustellen.