• Sprachförderung durch Experimente

    Mobiles Schülerlabor

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    In einer eigens entwickelten Projektwoche zum menschlichen Körper lernen Kinder nicht nur naturwissenschaftliche Methoden kennen, sondern erweitern auch ihre Sprachkenntnisse.

Mit einem umgebauten Wohnwagen besuchen Lehramtsstudenten aus Halle seit Dezember 2016 Klassen mit Flüchtlingen in Sachsen-Anhalt. In einer eigens entwickelten Projektwoche zum menschlichen Körper lernen geflüchtete Kinder nicht nur naturwissenschaftliche Methoden kennen, sondern erweitern auch ihre Sprachkenntnisse.

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  • Herausforderung:
    Schüler in Willkommensklassen haben zum Teil große Probleme mit der deutschen Sprache. Das führt zu Schwierigkeiten in allen Fächern – auch in den Naturwissenschaften.
  • Lösung:
    Biodidaktiker der Universität Halle besuchen mit einem mobilen Schülerlabor verschiedene Willkommensklassen.
  • Nutzen:
    In einer Projektwoche wecken die angehenden Lehrkräfte bei den Flüchtlingskindern die Begeisterung für Naturwissenschaften durch praktische Experimente. So verbinden sie Fachunterricht und Sprachförderung.

Staunend umringt eine Gruppe von Kindern Tobias Schmidt. Der Doktorand von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg richtet eine UV-Taschenlampe auf eine Tischplatte, die er vorher mit einem Spray besprüht hat. Das UV-Licht macht Bakterien sichtbar, hat Schmidt den Schülerinnen und Schülern vorher erklärt. Nun erscheint geisterhaft ein grünlich leuchtender Handabdruck – offenbar ein Tummelplatz für Mikroben. Am ersten Tag der Projektwoche „Der menschliche Körper“ an der Sekundarschule Kastanienallee in Halle dreht sich alles um Hygiene: Die Kinder finden heraus, wo es überall Bakterien gibt, wo sie nützlich sind und wo sie Schaden anrichten.

In ihren Klassen erhalten Flüchtlingskindern von Lehramtsstudenten Sprachförderung

Den eigenen Körper kennenlernen: Mit dem „Science4Life mobile Lab“ bringen Biodidaktiker naturwissenschaftliche Experimente in Schulen rund um die Stadt Halle.

Das Besondere daran: Die ­Projektwoche richtet sich an Schüler aus Klassen mit Flüchtlingen, die nur wenig Deutsch sprechen können. In einem umgebauten Wohnwagen transportieren die Biodidaktiker aus Halle Experimente und Unterrichtsmaterial zu Themen wie gesunde Ernährung, Drogen und Sexualität zu Schulen im Umland. „Durch das offene Konzept mit Workshops und Experimenten kommen die Schüler ganz anders miteinander und auch mit den Lehrkräften in Kontakt als im normalen Unterricht“, berichtet Prof. Dr. Martin Lindner. Er ist der Initiator des Projektes ­„Science4Life mobile Lab“, das in den nächsten drei Jahren mit 117.000 Euro von der Bayer Science & Education Foundation unterstützt wird.

An den Schulen ist der Wissenschafts-Wohnwagen sehr gefragt, um den Unterricht in den Willkommensklassen zu bereichern. Die Projektwoche verbindet Fachunterricht und Sprachförderung: Vier Tage lang experimentieren und forschen die Kinder. Die einzelnen Projekttage dokumentieren sie selbst mit einem iPad – beispielsweise auf Fotos. Am fünften Tag fassen sie das Gelernte und Erlebte in einem E-Book zusammen und präsentieren den Inhalt, dabei verbessern sie ihre Sprachkenntnisse praktisch. Zwei bis drei Lehramtsstudenten leiten die Projektwoche und erarbeiten sich dadurch Punkte für ihr Studium. Meistens ist auch ein Dolmetscher dabei, der die Lehrkräfte unterstützt.

Martin Linder setzt sich mit seinem mobilen Schülerlabor für die Sprachförderung von Kindern ein.

Offenes Konzept: Martin Lindner ist Professor für Didaktik der Biologie an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg. Er ist Initiator des mobilen Schülerlabors.

Die bislang fünf Projektwochen, die das Team seit Dezember 2016 an verschiedenen Schulen durchgeführt hat, waren ein voller ­Erfolg. Das Konzept eigne sich mit leichten ­Abwandlungen für alle Altersklassen, für Sechstklässler genauso wie für Berufsschüler, sagt Lindner. Je nach Wissensstand und sprachlichen Fähigkeiten können die Schüler sich gegenseitig helfen, Fachbegriffe lernen und ihr Wissen teilen. „Niemand langweilt sich“, ist Lindner überzeugt. Er möchte den Schülern beibringen, die Welt mit den Augen von Naturwissenschaftlern zu sehen, Phänomene zu erklären und nach Ursachen zu forschen. Weil die Projektwochen bei den Schulen so gut ankommen, schreibt Lindner derzeit ­Anträge für ein zweites mobiles Wissenschaftslabor – zum Thema Energie.