• Personalisierte Therapien gegen Krebs

    Die PATH-Stiftung als Partner der Patienten

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    Brustkrebs im Visier: Um die Heilungschancen zu verbessern, müssen die Forscher die Vorgänge in den entarteten Zellen genau verstehen.

Medikamente gegen Krebs sollen künftig noch zielgenauer wirken. Forscher von Bayer HealthCare analysieren dazu die individuellen Krankheitsverläufe von Patienten, um maßgeschneiderte Therapien zu entwickeln. Dabei erhalten sie auch Unterstützung in Form von Tumorgewebeproben von Krebspatienten.

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  • Herausforderung
    Jeder Tumor ist anders: Krebs kann in verschiedenen Zellen, in verschiedenen Organen entstehen und eine Reihe ganz unterschiedlicher bösartiger Tumore hervorbringen. Nur wer diese Unterschiede detailliert versteht, kann wirksamere Therapien entwickeln.
  • Lösung
    Forscher von Bayer HealthCare arbeiten zum Beispiel eng mit der Stiftung PATH (Patienten Tumorbank der Hoffnung) zusammen, die von Brustkrebspatientinnen mit dem Ziel gegründet wurde, die Heilungschancen zu erhöhen. PATH stellt den Forschern zahlreiche Gewebeproben und zugehörige, verschlüsselte klinische Daten zur Verfügung – eine wichtige Basis für die Forscher, um die Krankheit Krebs besser verstehen zu können und in Zukunft personalisierte Therapien zu entwickeln.
  • Nutzen
    Personalisierte Therapien, die auf die molekularen Veränderungen eines Tumors abgestimmt sind, bieten Patienten die Chance, effektiver wirksam zu sein und weniger Nebenwirkungen zu haben.

Tumor ist nicht gleich Tumor. Zudem kann eine Krebserkrankung sehr unterschiedlich verlaufen: von der vollständigen Heilung bis zum schnellen Tod. Nur wer die Unterschiede detailliert versteht, kann wirksamere, auf Tumor und Patient maßgeschneiderte Therapien entwickeln. Beim Brustkrebs – eine Krankheit, die weltweit mehr als 1,6 Millionen Frauen betrifft, Tendenz steigend – arbeitet Bayer beispielsweise eng mit der Stiftung PATH, der Abkürzung für Patienten Tumorbank der Hoffnung, zusammen.

Weltweit leiden etwa

1,6 Millionen

Frauen unter Brustkrebs.

Neue Therapien dank Gewebeproben und klinischer Daten

„Vor ein paar Jahren sind wir auf die Stiftung PATH gestoßen. Sie wurde von Brustkrebspatientinnen gegründet und hat das Ziel, die Heilungschancen zu erhöhen“, erklärt Dr. Joachim Reischl, Leiter der Abteilung Biomarker Strategie & Entwicklung bei Bayer HealthCare. Die Stiftung PATH ermöglicht den Forschern Zugriff auf zahlreiche tiefgekühlte Gewebeproben und zugehörige, anonymisierte klinische Daten. Die Zusammenarbeit bringt Vorteile für alle Beteiligten. „Wir bekommen biologisches Material und Informationen, die uns beim Verständnis der Erkrankung weiterhelfen und uns ermöglichen, neue Medikamente zu entwickeln. Gleichzeitig bekommen wir ein besseres Verständnis der Patientenperspektive und die PATH-Mitarbeiter einen besseren Einblick in die Pharmaforschung“, sagt Reischl. Die Forscher vergleichen die klinischen Daten mit den Gewebeanalysen und erfassen Veränderungen und Häufigkeiten in Gensequenzen oder Proteinen, die bei bestimmten Krankheitsverläufen auftreten. Das ist eine wichtige Basis für die Entwicklung personalisierter Therapien, die auf die molekularen Veränderungen im Tumor abgestimmt sind. Erste Erfolge gibt es bereits: Dr. Marion Rudolph, Biomarker-Expertin bei Bayer HealthCare, hat durch Analyse der durch die Stiftung PATH bereitgestellten Biopsieproben Daten über die Häufigkeit einer bestimmten Mutation erhoben, die möglicherweise die Brustkrebsentwicklung entscheidend beeinflusst.

Dr. Joachim Reischl

Die individuellen Wirksamkeiten im Vorfeld zu prüfen, ist der Weg zu besseren Heilungschancen.

Mit den Ergebnissen sollen zudem Therapien mit bereits zugelassenen Medikamenten künftig besser auf die Patienten abgestimmt werden.

Interview: Ulla Ohlms

Ulla Ohlms

„Geeignete Therapien finden“

research sprach mit Ulla Ohlms, Vorsitzende der patienteneigenen Tumorbank PATH, über die Erfolge der Stiftung.

Welche Idee steckt hinter der PATH-Stiftung?

Brustkrebs ist mittlerweile schon sehr gut heilbar – und die Therapiefortschritte sind enorm. Aber: Es gibt immer noch viele Patientinnen, die daran sterben oder Rückfälle erleiden. Wir wollen dazu beitragen, dass auch für diese Frauen geeignete Therapien gefunden werden.

Wie umfangreich ist die PATH-Sammlung?

Zurzeit liegen uns klinische Daten, Blut- und Gewebeproben von ungefähr 7.800 Brustkrebspatientinnen vor. Und die Zahl wächst täglich.

Gibt es schon erste Erfolge?

Ja, eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums, die mit unserer Hilfe entstanden ist. Diese liefert einen möglichen Grund, warum manche Tumoren Resistenzen entwickeln – und damit neue Ansätze für die Medikamentenentwicklung. Auch die Zusammenarbeit mit Bayer ist eng und ergiebig. Erste Erkenntnisse haben wir schon auf einem der weltweit größten Kongresse zur Krebsforschung präsentiert und viele positive Rückmeldungen bekommen. Darauf sind wir sehr stolz.

Gemeinsame Kooperation für bessere Medikamente

Eine Initiative der Europäischen Union – Innovative Medicines Initiative, kurz IMI genannt – ist die weltweit größte Kooperation von Forschungseinrichtungen, Behörden und Arzneimittelherstellern für wirksamere und sicherere Medikamente. Bayer ist an über 20 der IMI-Projekte beteiligt, wie zum Beispiel auch OncoTrack, Cancer-ID, PROTECT und EUPATI. 

Das OncoTrack-Projekt, ein internationales Konsortium mit über 60 Vertretern aus Wissenschaft und Industrie, das Bayer gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut (MPI) für molekulare Genetik koordiniert, hat zum Ziel, neue Methoden für die systematische Suche nach Biomarkern der neuen Generation zu entwickeln, um die Diagnose von Darmkrebs zu verbessern. Die detaillierte Charakterisierung von Tumorgewebe auf molekularer Ebene soll sowohl das Verständnis für Krebs insgesamt als auch den Einfluss der Tumor-Heterogenität auf die Behandlung von Darmkrebs erweitern. 

Im IMI-Projekt Cancer-ID, geleitet von Bayer und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, wollen die Partner Biomarker-Tests auf Basis von Blutproben prüfen und etablieren – eine Art flüssige Biopsie. Damit könnte nicht nur die Diagnose in der Krebsmedizin verbessert werden, sondern auch die Auswahl der jeweils besten Behandlungsmöglichkeit für Patienten. Über verlässliche Biomarker-Analysen aus regelmäßigen Blutproben ließe sich außerdem der Krankheits- und Therapieverlauf einfacher kontrollieren, sowie Anzeichen eines Wiederauftretens früh erkennen.

Ein weiteres IMI-Projekt ist PROTECT, das im Jahr 2009 mit dem Ziel begonnen wurde, die Überwachung der Arzneimittelsicherheit zu verbessern und dazu beizutragen, das Nutzen-Risiko-Profil eines Medikaments während seines gesamten Lebenszyklus umfassender zu evaluieren und zu kommunizieren. Dafür wurden innovative Tools und methodische Standards entwickelt. PROTECT wird von der European Medicines Agency (EMA) geleitet, die damit ein Konsortium von 29 öffentlichen und privaten Teilnehmern koordiniert.

Patienten dabei zu unterstützen, sich effizienter in der Forschung, Entwicklung und Zulassung von neuen Behandlungen zu engagieren, möchte das IMI-geförderte Projekt EUPATI erreichen, bei dem sich Bayer aktiv engagiert.  Diese von Patienten geführte Initiative zielt darauf ab, die erste europäische Patientenakademie über Therapeutische Innovation (EUPATI) zu schaffen, mit Trainingskursen, Weiterbildungsmaterial und einer öffentlichen Online-Bibliothek. Patienten sollen geschult und umfassend informiert werden, damit sie ihre Erfahrungen und Bedürfnisse so direkt wie möglich in die Entwicklung und Zulassung neuer Arzneimittel einbringen können, eine wichtige Voraussetzung für eine gemeinsame Kooperation für bessere Medikamente.