• Neue Rapssorten für gesünderes Frittierfett

    Rapszüchter optimieren die Ölpflanze

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    Gesünderes Fast Food: Um Frittiertes weniger schädlich für Herz und Kreislauf zu machen, optimieren Bayer-Forscher das Fettsäureprofil von Rapsölpflanzen.

Die Nachfrage nach gesunden Lebensmitteln steigt auch bei Fast-Food-Liebhabern. Um das Frittieren weniger schädlich für Herz und Kreislauf zu machen, züchten Bayer-Forscher Rapssorten, deren Öl speziell für den Einsatz bei hohen Temperaturen geeignet ist. Anders als bisherige Produkte enthalten sie keine Trans-Fettsäuren, vor denen Ernährungsexperten warnen.

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  • Herausforderung:
    Zum Frittieren von Lebensmitteln werden bislang gehärtete Pflanzenfette verwendet, die schädlich für die Gesundheit sind. Die Nachfrage nach gesünderen Alternativen ist groß.
  • Lösung:
    Bayer-Forscher entwickeln eine neue Rapssorte, deren Öl durch ein optimiertes Fettsäureprofil direkt zum Frittieren verwendet werden kann, ohne dass es vorher gehärtet werden muss.
  • Nutzen:
    Frittiertes wird für Verbraucher gesünder. Lebensmittelindustrie und Gastronomie können die steigende Nachfrage nach besseren Nahrungsmitteln bedienen und strengeren gesetzlichen Vorgaben gerecht werden.

Chicken Wings, Donuts und natürlich Pommes frites: Frittiertes kann so lecker sein – und gleichzeitig so ungesund. Denn für die Zubereitung der krossen Köstlichkeiten werden vorwiegend gehärtete Pflanzenfette verwendet. Die chemische Fetthärtung (Hydrogenierung) verbessert die Lagerfähigkeit herkömmlicher Pflanzenöle. Und sie erhöht deren Rauchpunkt, sodass sie auch bei Temperaturen von über 100 Grad Celsius verwendet werden können, ohne zersetzt zu werden. Doch die beim Härten entstehenden Trans-Fettsäuren sind schädlich für den menschlichen Organismus. Sie wirken negativ auf den Cholesterinspiegel und erhöhen das Risiko für Arterienverkalkungen, Herz-Kreislauf- und Darmerkrankungen sowie für Diabetes. Einer der Gründe, warum Ernährungsexperten seit Längerem vor den Gesundheitsrisiken durch Frittiertes warnen.

Späte Karriere: Seinen Durchbruch als Lebensmittel hatte Rapsöl erst 1974. Jetzt gilt es als eines der hochwertigsten Speiseöle – etwa für Salate, zum Frittieren oder in Margarine.

In Zukunft könnten alle Rapsöle im Handel mit einem optimierten Fettsäureprofil ausgestattet sein

In Ländern wie Dänemark, Island, der Schweiz oder Österreich bestehen seit Jahren gesetzlich vorgeschriebene Höchstgrenzen für den Einsatz von Trans-Fetten in verarbeiteten Lebensmitteln. In den US-amerikanischen Städten Philadelphia und New York ist ihr Einsatz in der Gastronomie sogar vollständig verboten. Weil gleichzeitig ausgewogene Ernährung weltweit im Trend liegt, steigt die Nachfrage nach gesunden Alternativen zu herkömmlichem Frittierfett.

Rapsexperten von Bayer wollen Frittiertes gesünder machen

Deshalb arbeiten sowohl im Bayer Innovation Center im belgischen Gent als auch im Züchtungszentrum im kanadischen Saskatoon Forscherteams an neuen Hybrid-Rapssorten mit optimierter Fettsäurezusammensetzung. „In enger Zusammenarbeit mit großen Speiseölherstellern züchten wir solche Sorten, maßgeschneidert nach den Anforderungen der großen Nahrungsmittelproduzenten“, erklärt Rapsexperte Steven Engelen aus der Abteilung Trait Research bei Bayer. „Unser Ziel ist die Entwicklung von Rapsöl, das bedenkenlos zum Frittieren verwendet werden kann – ohne dass es vorher gehärtet werden muss.“

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Sorgfältige Auslese: Im Gewächshaus untersucht Rapsexperte Steven Engelen Blüten ausgewählter Pflanzen.

Generell gilt Rapsöl als besonders hochwertiges Speiseöl, wegen seines hohen Vitamingehalts und wegen seines vorteilhaften Fettsäuremusters. Es enthält hohe Anteile einfach ungesättigter Fettsäuren wie der Ölsäure (Oleinsäure) sowie mehrfach ungesättigter Fettsäuren – etwa Omega-3-Fettsäuren. Sie wirken sich günstig auf Cholesterinspiegel und Herzgesundheit aus. Und: Wegen seines hohen Ölsäure-Anteils ist Rapsöl relativ stabil und kann bei Raumtemperatur über längere Zeit gelagert werden. Zum Frittieren muss allerdings auch Rapsöl gehärtet werden, damit es den hohen Temperaturen standhält. Bis jetzt.

Im Jahr 2009 waren Bayer-Forscher in einer internationalen Forschungskooperation an der Entschlüsselung des Raps­erbguts beteiligt.

Der Werkzeugkasten der Pflanzenzüchter

Bei der Entschlüsselung des Rapserbguts wurden

30.000

Rapsgene identifiziert

Ein hoher Ölsäuregehalt macht Rapsöl gesünder

Auf Basis der 30.000 gefundenen Rapsgene entwickeln Bayer-Züchter jetzt gezielt neue Sorten, die unter der starken globalen Handelsmarke InVigor™ angeboten werden. Das Team um Engelen nutzt dieses State-of-the-Art-Wissen für die Optimierung der Öl-Biosynthese-Wege, damit die Fetthärtung überflüssig wird. So erreichten sie ihr Ziel: Pflanzen, die bereits auf dem Feld ein lang frittierbares Öl produzieren, das nicht gehärtet werden muss. Bayer vertreibt gemeinsam mit dem weltweit agierenden Lebensmittelunternehmen Cargill Rapspflanzen, deren Öl bis zu 65 Prozent einfach ungesättigte Ölsäure und weniger als drei Prozent Linolensäure enthält. Diese Pflanzen sind bekannt als HOLLi-Raps (High Oleic Low Linolenic). Ihr Öl ist von Natur aus haltbar, muss nicht gehärtet werden und enthält somit keine gesundheitsschädlichen Trans-Fettsäuren, dafür aber alle anderen gesunden Eigenschaften.

Goldene Fracht in schwarzer Hülle: Reife Rapssamen enthalten große Mengen Öl.
Stammt das Öl aus neuen Pflanzen, die Bayer-Forscher um Steven Engelen gezüchtet haben, ist es weniger schädlich für Herz und Kreislauf.
Das Öl aus neuen Pflanzen sorgt es für gesundes Cholesterin im Blut und beugt Arteriosklerosen vor.

72 Millionen Tonnen

erreichte die weltweite Rapsernte 2014 – ein Rekordhoch.

Raps ist die zweitwichtigste Ölsaat der Welt – nach Soja

Mit einer weltweiten Rekorderntemenge von 72 Millionen Tonnen im Jahr 2014 ist Raps nach Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums nach Soja heute weltweit die zweitwichtigste Ölsaat. Gemeinsam mit Kanada, China und Indien gehört die Europäische Union zu den größten Rapsanbaugebieten. Der Rapsaufschwung begann 1974, als die ersten Sorten auf den Markt kamen, die sich zur Herstellung von Speiseöl eigneten. Der sogenannte Null-Raps enthielt kaum noch Antinährstoffe wie die Erucasäure, die das Rapsöl bis dahin ungenießbar und sogar gesundheitsbedenklich machte. Mitte der 1980er-Jahre folgte der Doppelnull-Raps, bei dem zusätzlich das entfettete Rapssamenmehl – ein Nebenprodukt der Speiseölgewinnung – frei von Glucosinolaten war. Diese Bitterstoffe geben zum Beispiel auch dem Senf seinen scharfen Geschmack. Weil die neuen Rapssorten in Kanada entwickelt wurden, haben sie sich unter dem Namen Canola etabliert (kurz für Canadian oil, low acid).

Der Weg zu besserem Rapsöl

Vor allem Nordamerika setzt auf innovative Frittierfette

„Wir erfüllen die spezifischen Anforderungen großer Ölkunden weltweit“, erklärt Tom Schuler, Global Seeds & Traits Marketing Lead für Raps bei Bayer. „ Wenn es um innovative Ölprofile für Frittierfette geht, steht aktuell vor allem der nordamerikanische Markt im Vordergrund. Sollte sich der Trend fortsetzen, könnten Europa und Asien ähnlich wichtig werden.“ Bayer arbeitet bei der Vermarktung neuer Rapssorten mit optimiertem Ölprofil mit dem weltweit agierenden Lebensmittelunternehmen Cargill zusammen.

Ziel ist es, die aktuellen Raps-Hybridsorten kontinuierlich weiter zu verbessern. „Unsere neuesten HOLLi-Entwicklungen sind heute noch Spezialprodukte. Doch wir sind fest davon überzeugt, dass die Spezialöle von heute den Weg in den Massenmarkt finden werden“, sagt Rapsforscher Engelen. „In Zukunft könnten alle Rapsöle im Handel mit einem optimierten Fettsäureprofil ausgestattet sein.“

Interview: Dr. Curtis Rempel

„Hohes Potenzial“

research sprach mit Dr. Curtis Rempel, Vice President des Canola Council of Canada, über die neuen InVigor™H-Hybride. Aktuell ist Nordamerika der wichtigste Markt für die Rapsölsorten mit gesundheitlichem Nutzen.

Welche Chancen bieten die Rapssorten von Bayer für eine gesündere Ernährung?

Für die Gastronomie bieten sie gesünderes Frittieröl mit verbesserter Funktionalität. In der Food-Industrie lässt sich das Öl zur Herstellung zahlreicher verarbeiteter Lebensmittel verwenden, wie Cracker, Cookies oder Frühstücksflocken. Weiter kann es für fettreduzierte Produkte oder Sprühöle genutzt werden. Wir erwarten, dass die Nachfrage nach natürlich stabilem und gleichzeitig gesundem pflanzlichem Speise­öl künftig deutlich ansteigt.

Welche Rolle kommt den HOLLi-Rapsölen in Zukunft zu?

Die Speiseöle spielen eine große Rolle für gesünderen Lebensstil – etwa bei Prävention und Umgang mit Adipositas, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.