• Mobile Hilfe für Kranke und Verletzte

    Medizinische Versorgung von Flüchtlingen verbessern

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    Bayer Cares Foundation unterstützt ein medizinisches Versorgungskonzept: Mit einer mobilen Arztpraxis möchten engagierte Helfer die Notfallversorgung von Flüchtlingen verbessern.

Über 63 Millionen Menschen waren Ende 2015 weltweit auf der Flucht. Solche Notsituationen erfordern engagierte Helfer. Simon Link ist einer von ihnen. Er arbeitet ehrenamtlich beim Deutschen Roten Kreuz in Berlin-Steglitz. Mit seinem Team kümmert er sich um die medizinische Versorgung in einer Notunterkunft in Berlin. Unterstützt von der Bayer-Stiftung entwickelt er außerdem ein neues medizinisches Versorgungskonzept: eine mobile Arztpraxis.

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  • Herausforderung:
    Die Einwanderung von Hunderttausenden Flüchtlingen aus Kriegsgebieten im Jahr 2015 – und andere unvorhergesehene Notsituationen – erfordern schnelle medizinische Hilfe. Über die akute Versorgung hinaus müssen die Menschen langfristig betreut werden.

    Lösung:

    Ehrenamtliche Mitarbeiter beim DRK in Berlin-Steglitz kümmern sich um die medizinische Versorgung in Notunterkünften. Darüber hinaus bekommen sie finanzielle Unterstützung von der Bayer Cares Foundation für die Entwicklung einer mobilen Arztpraxis.
  • Nutzen:
    Das einheitliche mobile System soll künftig in verschiedenen Situationen eine flexible medizinische Versorgung ermöglichen.

Krieg, Unterdrückung und Elend zwingen Millionen Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat. Die gefährlichen Wege beispielsweise aus Syrien, Afghanistan und dem Irak sind beschwerlich und gehen nicht spurlos an der Gesundheit der Menschen vorbei. 80.000 Flüchtlinge kamen 2015 in Berlin an – knapp 55.000 von ihnen blieben in der Hauptstadt. Um die Menschen zu versorgen, wurde jede Hilfe gebraucht. „Im Oktober bat uns das Gesundheitsamt um Unterstützung: Etwa 200 Menschen warteten am Bahnhof auf Hilfe“, berichtet Simon Link, ehrenamtliches Mitglied beim Deutschen Roten Kreuz – kurz DRK – in Berlin im Kreisverband Steglitz-Zehlendorf. Die Bundeswehr hatte bereits Feldbetten in einer Turnhalle aufgestellt, die fortan als Notunterkunft für Asylsuchende diente.

Als die Flüchtlinge in Bussen an der Unterkunft eintrafen, bereiteten sich Link und seine Kollegen auf den Ernstfall vor: „Wir wussten nicht, ob unter den Menschen Bewusstlose waren oder welche mit Traumata und Knochenbrüchen“, sagt er. Schwerverletzte fanden sie zwar nicht vor, dennoch benötigten viele von ihnen dringend medizinische Versorgung. „Erkältungskrankheiten gingen um und einige Kinder hatten eine schmerzhafte Mittelohrentzündung“, erinnert sich Link. Er studiert Medizin im zehnten Semester an der Charité in Berlin. Seit sechs Jahren engagiert er sich beim DRK. Von diesem Tag an betreut er gemeinsam mit seinen Kollegen die Berliner Notunterkunft. Das medizinische Team besteht aus neun ehrenamtlichen Ärzten sowie drei nicht ärztlichen Kollegen.

Mobile Arztpraxis: Simon Link (li.) und Christian Knitter initiierten ein neues medizinisches Versorgungskonzept mit dem Ziel, die Notfallversorgung zu erleichtern.

Für die Umstellung von der akuten Versorgung auf eine Langzeitbetreuung benötigte das DRK-Team zunächst eine entsprechende Ausstattung: „Am Anfang haben wir noch mit Karteikarten und Schreibmaschine gearbeitet. Jetzt verwalten wir digitale Krankenakten – ähnlich wie eine Hausarztpraxis“, sagt Link. Auch anhand ihrer medizinischen Versorgungsmittel wurde den Teammitgliedern schnell bewusst, dass sie nicht optimal auf die neue Situation vorbereitet waren: „Wir nutzten zunächst die Materialien aus dem Katastrophenschutz. Anstelle von Sauerstoffflaschen und Defi­brillatoren brauchten wir aber viel dringender alltägliche Medikamente wie beispielsweise abschwellende Nasentropfen“, so Link. Zusammen mit dem ehrenamtlichen Helfer Christian Knitter initiierte er daher ein Projekt, um ein neues medizinisches Versorgungskonzept zu entwickeln. Die Idee: eine mobile Arztpraxis. Das Projekt wurde im April 2016 von der Bayer Cares Foundation mit 16.500 Euro unterstützt. Ziel ist es, künftig auch die medizinische Versorgung in anderen Unterkünften zu erleichtern.

Unser neuer Rettungsrucksack ist unter anderem mit Infusionen, Medikamenten und Sauerstoffflaschen ausgestattet

Link und seine Kollegen entwickelten zunächst eine eigene Notfallausstattung: „Unser neuer Rettungsrucksack ist unter anderem mit Infusionen, Medikamenten und Sauerstoffflaschen ausgestattet“, erklärt der Medizinstudent. Bei öffentlichen Veranstaltungen testeten die Helfer den Rettungsrucksack bereits. Darüber hinaus arbeiten Link und Knitter weiterhin an der mobilen Krankenstation. Dafür wollen sie handliche Aluminiumboxen mit abnehmbaren Deckeln verwenden. „Die Boxen werden so eingerichtet, dass man sie auf einen Tisch stellen und direkt daraus arbeiten kann“, erklärt Link. Jede Box wird unterschiedlich ausgestattet: etwa mit hausärztlichen Medikamenten, Verbandsmaterial oder Unterlagen. Rollbretter machen die Boxen transportfähig.

Immer mehr Asylsuchende werden in Deutschland nach und nach aus den Notfalleinrichtungen in Dauerunterkünfte umziehen. Und obwohl sich die Situation für das DRK-Team derzeit entspannt, wollen sie ihr Projekt weiter verfolgen und evaluieren. „Für den Fall, dass wieder mehr Flüchtlingen ankommen, wollen wir vorbereitet sein“, sagt Link. Die mobile Arztpraxis ist so konzipiert, dass sie auch anderweitig eingesetzt werden kann.