• Der lebensrettende Entkeimer

    Innovation „LifeShift Sterilizer“

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    Operationsbesteck wird mit Strom und sauberem Wasser sterilisiert. Doch in vielen Ländern fehlt es an beidem. Der „LifeShift Sterilizer“ kann dieses Problem lösen.

Operationsbesteck wird mit Strom und sauberem Wasser sterilisiert. Doch in vielen Ländern fehlt es an beidem. Der „LifeShift Sterilizer“ kann dieses Problem lösen. Seine Erfinder gewannen dafür 2016 den Aspirin Social Innovation Award.

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  • Herausforderung:
    Häufig infizieren sich Wunden nach Operationen in Schwellen- und Entwicklungsländern. Es fehlt an sauberem Wasser und Strom, um Operationsbesteck zu sterilisieren.
  • Lösung:
    Die RSO Shift GmbH entwickelte deshalb den „LifeShift Sterilizer“. Dafür gewann sie den Aspirin Social Innovation Award.
  • Nutzen:
    Der „LifeShift Sterilizer“ sterilisiert chirurgische Instrumente ohne Strom und sauberes Wasser. Mit integrierten Solarkollektoren, Photovoltaikzellen und einer Wasseraufbereitungsanlage ist er weltweit in sonnigen Regionen einsetzbar.

Operationen können Leben retten. Ohne saubere Instrumente werden aber selbst Routineeingriffe zur Gefahr für die Patienten. Eine Problematik, die vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern auftritt. Den Ärzten dort fehlen häufig die Ressourcen, um die Sterilisationsgeräte für ihr Operationsbesteck zu betreiben: Strom und sauberes Wasser.

Dieses Problem will das Unternehmen RSO Shift aus Kassel lösen: „Sterile Instrumente verringern das Risiko von Wundinfektionen und schützen das Leben der Patienten“, erklärt Martin Reh, Mitgründer von RSO Shift. Ihr „LifeShift Sterilizer“ sterilisiert Operationsbesteck ganz ohne Strom. Für das Sterilisationsgerät setzt die 2012 gegründete Firma auf erneuerbare Energie und einfache Bedienung. „Wir arbeiten mit einfach verständlichen Piktogrammen und durch Symbole dargestellte Bedienelemente. Denn auch in Entwicklungsregionen verwenden Nutzer diese Symboliken häufig in ihrer Handykommunikation. So kann jeder unseren Sterilizer verwenden“, sagt Reh, dem das „R“ in RSO Shift gewidmet ist.

Der „LifeShift Sterilizer“ wiegt etwa 45 Kilogramm und hat eine Höhe von 1,20 Meter. Durch seine Rollen ist auch der Einsatz an entlegenen Orten in Schwellen- und Entwicklungsländern möglich.
Solarkollektoren speisen die Speichereinheit. Eine Speicherladung reicht für einen Aufbereitungsprozess: Sprich, einem Reinigungs- und Desinfektionprozess, oder einem Sterilisationsdurchgang.
Die Integrierte Wasseraufbereitungsanlage reinigt verunreinigtes Süßwasser.
In zwei Siebschalen wird das Besteck gereinigt und anschließend mit destilliertem Wasserdampf desinfiziert.
In einem sterilen Container folgt die Sterilisierung. Nach dem Vorgang ist das Besteck sofort verwendbar, kann aber auch darin gelagert werden. Der Container fasst ein Volumen von einem Kilogramm.

Der lebensrettende Entkeimer funktioniert mit simpler Technik. Er braucht lediglich Wasser und Sonnenschein. Die Photovoltaikzellen und Sonnenkollektoren ersetzen die Steckdose, und dank einer integrierten Wasseraufbereitungsanlage muss das genutzte Wasser auch nicht sauber sein, dafür sorgt die Maschine. „Bei der Entwicklung haben wir störungsanfällige Komponenten frühzeitig ersetzt und zum Beispiel elektronische Pumpen durch manuelle ersetzt. Das macht den Sterilizer langlebig und wartungsarm“, erklärt Reh. „Denn gerade die Wartung von Medizingeräten ist in Entwicklungsregionen kaum möglich.“

Im August 2017 fanden Tests zur Benutzerfreundlichkeit des Geräts zusammen mit „Tabitha Global Care“ in Afrika statt, um herauszufinden, ob der Sterilizer den örtlichen Anforderungen gerecht wird. Die Markteinführung ist für Ende des Jahres geplant.

Bisher funktioniert der Sterilizer nur in Regionen mit ausreichend Sonne. Eine mögliche Weiterentwicklung soll mit fossilem Brennstoff arbeiten und dann auch sonnenarme Regionen mit sterilem OP-Besteck versorgen. „Wir möchten uns aber nicht nur auf ein Gerät beschränken“, sagt Reh. „Unser Ziel ist es, den ‚Shift’ voranzutreiben und noch weitere Innovationen auf den Markt zu bringen.“

Mit ihrer Idee gewann das Unternehmen 2016 den Aspirin Social Innovation Award. Diese Auszeichnung öffnet Martin Reh, Raphael Schönweitz, Philipp Odernheimer und ihrem Team die Tür zu Bayers weltweitem Expertennetzwerk. Reh fasst zusammen: „Wir hoffen, in Zukunft das Leben vieler Patienten in verschiedenen Regionen zum Besseren zu ‚shiften’.“