• Krebstherapie

    Interview Julie N. Graff

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    Meist über sexuellen Kontakt übertragen, Humane Papillomaviren (HPV) können durch Impfung effektiv bekämpft werden, so dass sich Gebärmutterhalskrebs nie entwickelt.

„Der menschliche Körper kann gut mit Krebs umgehen - wir müssen ihm nur helfen.“

Krebs ist für viele Menschen heute kein Todesurteil mehr. Dank beachtlicher Fortschritte in der medizinischen Forschung ist es heute möglich, bestimmte Tumorarten effektiv zu behandeln. Doch je mehr wir wissen, desto vielschichtiger wird unser Verständnis von Krebs. Es entsteht ein immer komplexeres Bild der Erkrankung. Wir sprachen mit Dr. Julie N. Graff, Dozentin für Innere Medizin an der Oregon Health and Science University über die neuen Therapieoptionen.

Julie Graff

Dr. Julie N. Graff, Dozentin für Innere Medizin an der Oregon Health and Science University bekämpft Tumoren. Sie meint, dass diverse Krebsarten sogar ausgerottet werden können.

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  • Herausforderung:
    Krebs endet oft tödlich, und bestehende Therapien sind häufig ein sehr invasiver Eingriff.
  • Lösung:
    Forscher bei Bayer untersuchen und entwickeln neue Behandlungsmöglichkeiten wie Impfung, Strahlentherapie oder Immuntherapie, welche die Tumore direkt angreifen – und das immer wieder mit beachtlichem Erfolg.
  • Nutzen:
    Durch neue Methoden der Krebsbehandlung ist die Krankheit für viele Menschen kein Todesurteil mehr. In manchen Fällen kann man sogar fast von „Heilung“ sprechen.

Beginnen wir mit der wichtigsten Frage: Werden wir jemals in der Lage sein, bestimmte Krebsarten auszurotten?

Ja, ich glaube schon. Wir können die medizinische Versorgung so gestalten, dass sich der Krebs nie entwickeln wird - anstatt ihn danach zu heilen. Impfstoffe sind hier meiner Meinung nach sehr wichtig. Ein gutes Beispiel ist der Gebärmutterhalskrebs, der durch eine Infektion mit dem humanen Papillomavirus (HPV) entsteht. Diese Krebsart könnte in Australien bald beseitigt sein, weil das Land entschlossenen eine Impfstrategie verfolgt.

Haben Sie weitere Beispiele?

Neben der Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs haben wir auch eine Behandlung gegen Hepatitis C, die wahrscheinlich dazu beitragen wird, die Zahl der Leberkarzinome zu reduzieren. Aber für mich ist der HPV-Impfstoff noch vielversprechender, weil diese Infektion zu Gebärmutterhalskrebs, Anal- und einigen Kopf- und Halstumoren führt, die zusammengenommen wahrscheinlich einen größeren Anteil an den Krebserkrankungen haben.

Außerdem gibt es einige Lymphome, die durch Viren verursacht werden. Und die Ausrottung oder Prävention dieser Virusinfektionen kann bestimmte Krebsarten verhindern.

Gebärmutterhalskrebs kann durch Impfung verhindert werden. Diese Krebsart könnte in Australien bald beseitigt werden, weil das Land entschlossenen einer Impfstrategie folgt.

Ihr besonderer Fokus liegt auf Prostatakrebs – dagegen gibt es keine Impfung. Welche anderen Möglichkeiten gibt es, diese Krankheit zu heilen? Besteht überhaupt die Möglichkeit, dass er besiegt wird?

Prostatakrebs ist ein schwierigerer Fall. Dieser Krebs scheint eine Begleiterscheinung des Alterns zu sein, ohne eine sehr klare Ursache zu haben. Wenn unsere Bevölkerung also älter wird, kann es sein, dass diese Krebsart immer häufiger wird. Es gibt kein bestimmtes Bakterium oder Virus, das diesen Krebs verursacht. Auch wenn es Anzeichen dafür gibt, dass möglicherweise eine chronische Entzündung Prostatakrebs auslösen kann, gibt es noch keinen eindeutigen Beweis dafür. Für mich steht fest, dass Hormone zur Entwicklung dieser Tumore beitragen.

Es gibt also auch noch keine Wunderwaffe. Meinen Sie, dass es jemals eine geben wird?

Wir haben noch so viel zu lernen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle Krebsarten nur einen bestimmten Auslöser haben, den wir beseitigen könnten. Aber einige Krebsarten sind relativ einfach. Chronische myeloische Leukämie (CML) ist das beste Beispiel. Hier führt eine sehr spezifische Mutation in der DNA zu dieser Krankheit. Und es gibt jetzt Behandlungen, wodurch die CML eher zu einer chronischen Krankheit wird. Früher verlief sie hingegen tödlich.

Beim Prostatakrebs aber können viele verschiedene Veränderungen im Erbgut ursächlich sein. Wenn der Krebs vorliegt, enthält er mehrere Mutationen, die sich von Tumor zu Tumor und von Patienten zu Patienten unterscheiden. Die genetischen Eigenschaften können sehr vielseitig sein. Einige Wissenschaftler und Mediziner versuchen, Prostatakrebs mit gezielten Therapien zu bekämpfen. Aber diese sind nicht sehr erfolgreich – die Krebszellen entwickeln sofort Resistenzen.

Welche anderen Methoden könnten gegen Prostatakrebs helfen?

Die Immuntherapie ist sehr vielversprechend. Denn Krebserkrankungen sind sehr komplex. Und der Körper ist für komplexe Krankheiten und Krebserkrankungen gut gerüstet. Er kann gut mit ihnen umgehen. Aber die Tumore finden Wege um das Immunsystem herum. Beispielsweise hat der Körper den Feind bereits identifiziert, jedoch ist die Wirkung des Immunsystems blockiert. Heute können bestimmte Medikamente dieses negative Feedback stören – so dass das Immunsystem den Krebs gezielt bekämpfen kann.

Das ist eine gute Methode, Krebs zu behandeln, denn sie ist nicht auf nur eine Mutation oder nur ein Protein angewiesen. Sie hilft dem Körper, die Proteine zu bekämpfen, die er als anormal identifiziert.

Hat diese Immuntherapie irgendwelche Nachteile?

Diese Art von Therapie ist zugelassen, und sie wird für bis zu zehn Krebsarten eingesetzt. Leider reagieren nicht so viele Patienten darauf, also für die meisten Patienten funktioniert sie nicht. Aber wenn sie funktioniert, funktioniert sie sehr, sehr gut. Eine weitere, mögliche Nebenwirkung ist eine schwere Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem beginnt, sich auf gesundes Gewebe zu richten.

Können Sie abschätzen, für welche Patienten diese Methode funktioniert, oder ist es nur Trial-and-Error?

Momentan ist es meist noch Trial-and-Error. Aber wir wissen, dass diese Art der Behandlung eher auf Tumorarten mit vielen Mutationen anschlägt. Jetzt gibt es die Zulassung für den Einsatz bestimmter Medikamente bei jedem Tumortyp, der eine dieser Mutationen aufweist. Dies nennen wir “hohe Mutationslast”.

Arbeiten Sie mit Ihren Patienten an dieser Medizin?

Ja. Einer meinen Patienten hatte sehr, sehr fortgeschrittenem Prostatakrebs. Er erhielt diese Behandlungen im Jahr 2015, und Jahre später er hat immer noch keine Anzeichen von Krebs. Sie hat also einwandfrei funktioniert.

Mit der Immuntherapie haben wir einige ausgezeichnete Ergebnisse gesehen. Wahrscheinlich wurde einer meinen Patienten geheilt – auch wenn bei Krebs wir fast nie von “heilen“ sprechen! Er wurde vor zehn Jahren behandelt und hat heute weder Anzeichen von Krebs noch musste er sich seither einer Krebsbehandlung unterziehen.

Was ist der Stand der Forschung bei der Behandlung von Prostatakrebs?

Gegenwärtig konzentriert sich die Forschung auf die Suche nach Tumormarkern – eine Mutation oder ein bestimmtes Protein, das wir mit Medikamenten gezielt angehen könnten. Beim Prostatakrebs gibt es in Phase-3-Studien mindestens drei Strategien - Immuntherapie, Strahlentherapie und Medikamente, die sogenannte DNA-Reparaturdefekte stören. Jeden Tag macht der Körper bei der DNA-Vermehrung gewisse Fehler. Und alle Zellen, auch Krebszellen, haben eine Art “Maschinerie”, die diese Fehler behebt. Aber einige Krebszellen haben diesen Mechanismus nicht. Diese Tatsache, dass dieser Mechanismus fehlt, können wir nutzen, um den Krebs zu bekämpfen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es drei Möglichkeiten gibt, wie wir Tumore gezielt behandeln. Eine davon ist die Immuntherapie. Eine zweite Methode diese “Maschinerie”-Sache, bei der man Medikamente verabreicht, um die DNA-Reparatur in Krebszellen zu blockieren, bei denen der Mechanismus für die DNA-Reparatur fehlt. Und die dritte ist die gezielte Strahlung. Im Moment gibt es hierfür großes Interesse – insbesondere bei Prostatakrebs. Diese Patienten werden mit radioaktiven Molekülen behandelt, die nur von Krebszellen aufgenommen werden. Sobald die Moleküle in den Zellen sind, verursachen sie den Tod der Krebszellen. Der Grund dafür ist, dass die Tumorzellen etwas haben, das für den Prostatakrebs spezifisch ist (sogenannte Antigene) und wir können den Tumor auf diese Weise angreifen.

Wo liegt der Vorteil der Immuntherapie im Vergleich zu anderen Krebstherapien?

Andere Krebstherapien können Tumore schrumpfen und ihre Ausbreitung verzögern, wodurch die Patienten vielleicht noch ein paar Monate länger leben. Aber Immuntherapien funktionieren, wenn sie funktionieren, wirklich gut, und die Patienten können den Krebs praktisch loswerden. Diese Methoden werden für Krebsarten genehmigt, wo sich die Krankheit bereits ausgebreitet haben. Aber auch in der Umgebung des Primärtumors könnten sie einen gewissen Nutzen haben.

Woran arbeiten Sie zur Zeit?

Unter anderem untersuchen wir, was wir tun können, damit die Immuntherapie bei mehr Patienten anschlägt. Eine unserer Ideen ist, dass die Immuntherapie besser bei Menschen funktioniert, die bestimmte Arten von Bakterien in ihrem Dickdarm haben. Um die Therapie mit Stuhltransplantationen zu prüfen, haben wir bereits finanzielle Unterstützung bekommen und können bald mit unserer Studie beginnen. Wir können heute jedoch noch nicht sagen, ob es funktionieren wird. Aber es gibt Hinweise darauf, dass es funktionieren könnte. Und wenn ja, dann wird es ziemlich faszinierend sein.

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