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    Carl-Duisberg-Stipendium für Augenarzt aus Jordanien

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    Augenarzt Dr. Munjid Al Mousa erforscht die diabetische Retinopathie: Eine frühzeitige Diagnose kann eine Erblindung aufhalten – doch die meisten Betroffenen kommen zu spät.

Er will verhindern, dass Menschen ihr Augenlicht verlieren: Dr. Munjid Al Mousa erforscht als Stipendiat seit Februar 2015 an der Universität Frankfurt Erkrankungen der Retina – insbesondere eine Krankheit, die oft mit Diabetes einhergeht. Die diabetische Retinopathie führt im schlimmsten Fall zur Erblindung. Der Augenarzt aus Jordanien will vor allem Menschen in Entwicklungsländern helfen.

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  • Herausforderung:
    Diabetes greift oft die Augen der Patienten an, die im schlimmsten Fall erblinden.

    Lösung:

    Augenarzt Dr. Munjid Al Mousa studiert an der Universität Frankfurt unter anderem die diabetische Retinopathie, unterstützt durch das Carl-Duisberg-Stipendium der Bayer Science and Education Foundation.
  • Nutzen:
    Mit dem Wissen über die Augenerkrankung will Dr. Al Mousa künftig Patienten in Entwicklungsländern wie Jordanien besser behandeln.

Regelmäßiger Augen-Check-up: Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko für eine Augenerkrankung. Dr. Munjid Al Mousa kann bei der Vorsorgeuntersuchung bereits kleinste Schäden an der Retina feststellen und behandeln. Der Augenarzt will Menschen in Entwicklungsländern helfen.

Blinde Menschen haben es in Entwicklungsländern besonders schwer

Interview: DR. MUNJID AL MOUSA

„Die Erblindung könnten Augenärzte verhindern, wenn der Patient früh zur Untersuchung kommt“

research sprach mit Dr. Munjid Al Mousa

Wie hängen Diabetes und Erblindung zusammen?

Die Stoffwechselkrankheit Diabetes kann beim Menschen genetisch veranlagt sein oder durch Umwelteinflüsse begünstigt werden, etwa durch eine Fehlernährung oder zu wenig Bewegung. Wenn man Diabetes hat, erkranken manchmal auch die Augen – dabei spricht man von diabetischer Retinopathie. Im schlimmsten Fall verlieren die Patienten dadurch sogar ihr Augenlicht. Die Erblindung könnten Augenärzte verhindern, wenn der Patient früh zur Untersuchung kommt, allerdings wissen viele Diabetiker nicht um diese Gefahr und kommen erst zu spät zu uns. Manche Betroffene wissen nicht mal, dass sie Diabetes haben, denn nicht immer treten Symptome auf.

Warum ist das in Jordanien ein besonders großes Problem?

Meine Heimat Jordanien gehört zu den Ländern mit der höchsten Rate an Diabetes-Erkrankungen. Ich habe dort während meiner Arbeit viele Patienten getroffen, die auch an der Augenerkrankung litten. Ihr Schicksal hat mich sehr berührt. Blinde Menschen haben es in Entwicklungsländern besonders schwer: Viele von ihnen sind nicht in die Berufswelt integriert und daher vollkommen abhängig von ihren Angehörigen, was ihren Lebensunterhalt und die ärztliche Behandlung angeht – letztlich ihr tägliches Leben. Ich hoffe, den betroffenen Menschen in Entwicklungsländern helfen und ihre Erblindung aufhalten zu können.

Was genau passiert bei Patienten, die an diabetischer Retinopathie leiden?

Unser Auge ist im Inneren mit einem Nervengewebe, der Retina, ausgekleidet. Die Nervenzellen leiten Signale über den Sehnerv an das Gehirn weiter. Wenn die Retina beschädigt ist, kann das Bild, das wir mit den Augen sehen, nicht mehr an das Gehirn geleitet werden – das passiert auch bei der diabetischen Retinopathie. Das Nervengewebe wird nämlich von Blutgefäßen durchzogen, die Nährstoffe und Sauerstoff transportieren. Bei Diabetes wird die Retina nicht mehr ausreichend versorgt. In der Folge sendet das Auge einen Botenstoff aus, der die Bildung neuer Blutgefäße anregt. Diese Gefäße sind allerdings nicht stabil genug und können leicht bluten, was zum Sehverlust führt. Der Patient verspürt keinen Schmerz. So kann die Retina über mehrere Monate oder Jahre hinweg unbemerkt stark beschädigt werden.

Was kann man dagegen tun?

Der Verlauf der diabetischen Retinopathie unterscheidet sich von Patient zu Patient sehr stark. Im frühen Stadium muss man die Krankheit nur regelmäßig beobachten und das Auge kontrollieren. Später führen wir Laserbehandlungen an der Retina durch, um Blutungen zu verhindern. In sehr weit fortgeschrittenen Fällen sind aufwendige operative Eingriffe notwendig. Generell hilft es, wenn Diabetes früh diagnostiziert und der Blutzuckerspiegel reguliert wird. Auch wenn Diabetiker keine Augenprobleme bemerken, sollten sie jährlich zu einer augenärztlichen Untersuchung kommen.

Was sind Ihre weiteren Pläne?

Ich möchte an der Universität in Frankfurt so viel wie möglich lernen. Ich beteilige mich an klinischen Arbeiten mit Patienten sowie an wissenschaftlichen Studien. Professor Frank Koch lehrt mich zudem operative Eingriffe. All das, was ich hier lerne, möchte ich eines Tages in meinem Heimatland Jordanien anwenden: Dank meines Stipendiums hoffe ich, viele Menschen vor Erblindungen schützen zu können. Und ich kann mein erlerntes Wissen an Ärzte in anderen Entwicklungsländern weitergeben. Das spornt mich jeden Tag an. Auch wenn es viel zu tun gibt, erfüllt und belohnt mich meine Arbeit jeden Tag. Mein größtes Ziel ist es, in Entwicklungsländern mehr Bewusstsein für diabetische Retinopathie zu schaffen.

Dr. Carl-Heinz Duisberg, Stiftungsrats-Mitglied und Enkel des Programmgründers

„Ich bin beeindruckt von Dr. Al Mousas Absicht, Menschen in Entwicklungsländern die Chance auf ein Leben in Würde zu geben. Die Carl-Duisberg-Stipendien richten sich gezielt auch an die Ausbildung von Ärzten aus Entwicklungsländern. Die Stiftung will damit einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung des dortigen Gesundheitswesens leisten.“

Image-Film Stiftungen