• Der furchtlose Chemiker

    Alexander Straub im Porträt

    Bildunterschrift einblenden

    Misserfolge gehören für Dr. Alexander Straub, Forscher für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zum Alltag. Trotzdem gibt er nicht auf.

Misserfolge gehören zur medizinischen Forschung dazu. Als einer der führenden Forscher zum Thema Herz-Kreislauf-Erkrankungen erfährt Dr. Alexander Straub das regelmäßig. Doch anstatt aufzugeben, hinterfragt er, warum manche Dinge nicht so funktionieren wie erhofft. Der erfahrene Chemiker hatte keine Angst davor, Dinge (aber natürlich niemals Menschen) auch mal in die Luft zu jagen, um eine Antwort zu erhalten.

Wenn mich Freunde fragen, wie mein Alltag als Forscher hinter dem Zaun des Forschungszentrums aussieht, dann antworte ich: Misserfolg, jede Menge Misserfolg. Ich forsche zum Thema Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Um neue Wirkstoffe zu entwickeln, wählen wir zunächst die geeigneten Rohlinge aus knapp drei Millionen Substanzen aus. Oft bleiben nach den ersten Tests mit dem Zielmoleku¨l vielleicht 1.000 Treffer übrig. Macht man am Anfang einen Fehler, forscht man möglicherweise jahrelang in die falsche Richtung. Das passiert, wenn man nicht frühzeitig loslässt. Wobei niemand sagen kann, ob man nicht doch kurz vor einem Durchbruch steht. Loslassen? Festbeißen? Es ist vertrackt. 

Denn selbst, wenn man einer Lösung näherkommt, tauchen die nächsten Fragen auf: Welche Synthesewege müssen wir gehen? Wie bekommen wir Wirkung, Verträglichkeit, Löslichkeit in den Griff? Im Falle von Riociguat, einem Medikament mit dem zwei Arten pulmonaler Hypertonie behandelt werden, haben wir 2.000 Synthesen benötigt. Für Rivaroxaban, ein Blutgerinnungshemmer, der heute unter dem Namen Xarelto verkauft wird, haben wir knapp 700 Synthesen gebraucht. Forscher zu sein erfordert eben die Eigenschaften eines Triathleten und die eines Konzertpianisten – Ausdauer und Virtuosität. Und nur, wenn du richtig viel Glück hast, kommt die Substanz, die dein Team entdeckt hat, am Ende in den weltweiten Handel.

Der Chemiker Alexander Straub ist fasziniert von der Wissenschaft und arbeitet in der Herz-Kreislauf-Forschung

Es ist ein Wunder, dass mein Elternhaus immer noch steht.

Das Wohnzimmermobiliar in Brand gesteckt

Meine Liebe zur Chemie entdeckte ich schon als Kind. Ich bekam ein Mikroskop geschenkt, mit dem ich Pollenkörner oder Zwiebelhaut untersuchte. Ich baute Raketen und schoss sie ab. Ich kokelte einmal sogar das Wohnzimmermobiliar an, als ein Experiment mit Thermit aus dem Ruder lief. Ich stellte Chlorgas im Kinderzimmer her, bis das Grün der Zimmerpflanzen ausgebleicht war. Rückblickend erscheint es mir fast als ein Wunder, dass das Haus meiner Eltern noch steht.

Während ich beim „European Philips Contest for Young Scientists and Inventors“ einen Sonderpreis gewann, störte ich in der Schule aus Langeweile den Chemie-Unterricht. Nach dem Zivildienst habe ich ein Studium in Stuttgart begonnen, der Stadt der schwäbischen Tüftler. Mit einem Stipendium der Robert-Bosch-Stiftung erhielt ich meinen Abschluss „mit Auszeichnung“.

Mit einem Team arbeitete Alexander Straub an der Erfoschung von Molekülen eines Blutgerinnungshemmers

Erforschen mit allen Sinnen

Meinen Forschergeist trieb immer mein Wille an, vertrackte Probleme zu lösen. Besonders gerne, wenn sich diese in Grenzbereichen der Chemie zu anderen Disziplinen abspielten. Man kann Erfahrungen nicht nur theoretisch sammeln, man muss die Dinge auch spüren. Es geht um sinnliches Erleben – faszinierende Kristalle, eigentümlich riechende Chemikalien, aufregende Farbreize.

Forscher müssen ihre Neugier, ihren Spieltrieb und ihre Naivität bewahren, wenn sie ihre Umgebung erkunden. Wir fragen nach dem „Warum?“. Wir stellen das scheinbar Unumstößliche infrage. Die besten Ideen kommen mir in den Abendstunden, wenn Ruhe im Labor eingekehrt ist. Dann entstehen Innovationen. Ich ermutige auch mein Team, Dinge auszuprobieren, selbst wenn sie abwegig erscheinen. Publiziert werden zwar immer nur die Erfolge, nicht die Misserfolge, doch wer weiß: Vielleicht war der Gedanke richtig, nur ein Detail der Umsetzung nicht? Glück, Zufall, Überraschungen und Intuition sind nicht planbar. Für echte Erfindungen bedarf es manchmal genau dieses Überraschungsmoments.

Curriculum Vitae Dr. Alexander Straub

1959: Geboren in Stuttgart

1978-1989: Studium Chemie an der Universität Stuttgart, gefördert von einem Stipendium der Robert-Bosch-Stiftung

1987: Diplom in Organischer Chemie in der Arbeitsgruppe von Prof. Effenberger, Thema: „Synthesis of dihydroxyacetonephosphate for enzyme-catalyzed aldol reactions”

1989: Doktorarbeit in Organischer Chemie in der Arbeitsgruppe von Prof. Effenberger, Thema: „Aldolase-catalyzed synthesis of carbohydrates”

1989-2000: Laborleiter für Medizinische Chemie, kardiovaskuläre Forschung, Bayer AG, Wuppertal

2000-2007: Laborleiter für Prozessforschung, Bayer AG, Crop Science, Monheim

2007-2008: Manager Chemische Prozessentwicklung, Bayer AG, Crop Science, Dormagen

2008-heute: Principal Research Scientist, Medizinische Chemie, frühe Forschung Kardiologie, Bayer AG, Pharmazeutika, Wuppertal

2009: Mitentdecker von Rivaroxaban, Auszeichnung mit dem „Deutschen Zukunftspreis”

Internationale Nutzer
Diese Website wird kontrolliert, betrieben und gepflegt durch BAYER am Standort Leverkusen, Deutschland. Sie ist bestimmt zur internationalen Nutzung. BAYER übernimmt jedoch keine Garantie, dass die auf dieser Website präsentierten Informationen weltweit korrekt sind, insbesondere die Produkte und Services in gleicher Aufmachung, Größe und zu gleichen Konditionen weltweit verfügbar sind. Sollten Sie diese Website aufrufen und/oder Inhalte herunter laden, so sind Sie selbst dafür verantwortlich, dass dies mit den in Ihrem Aufenthaltsort geltenden lokalen Gesetzen vereinbar ist. Die Produkte, die auf dieser Website erwähnt werden, können in verschiedenen Ländern unterschiedliche Gebinde/Packungsgröße, Beschriftung und Kennzeichnung haben.
In den USA ist für das Geschäft des Bayer Konzerns die Bayer Corporation verantwortlich. Kunden in den USA bitten wir, sich an diese Gesellschaft zu wenden.

3 FAKTEN ÜBER DR. ALEXANDER STRAUB

Straub gilt als einer von Bayers führenden Forschern für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Es wurde zweimal mit der Otto-Bayer-Medaille ausgezeichnet.
Straub hat eine Schwäche für Jugendstil-Design.
magazine