• Auch gutartige Tumoren belasten Patienten

    Neues Wissen über Gebärmuttermyome

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    Die Gebärmutter ist häufig von gutartigen Tumoren betroffen. die zu starken Beschwerden führen können. Forscher wollen Patientinnen mit modernen Methoden helfen.

Heftige Menstruationsblutungen, Bauchschmerzen und Unfruchtbarkeit – gutartige Wucherungen der GebärmutterMuskulatur können betroffene Frauen stark belasten. BayerForscher kollaborieren mit der renommierten Oxford-University, um Patientinnen neue Therapien zur Verfügung zu stellen.

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  • Herausforderung:
    Gebärmuttermyome sind meist zwar gutartige Tumoren, verursachen aber bei vielen Patientinnen starke Beschwerden. Bisherige Therapien haben beträchtliche Nebenwirkungen.
  • Lösung:
    Mit modernen Methoden suchen Forscher von Bayer und der Oxford University nach genetischen Ursachen für Myomerkrankungen. Auf dieser Basis identifizieren sie Substanzen, die Kandidaten für künftige Wirkstoffe sein könnten.
  • Nutzen:
    Mehr als jede vierte Frau mit Gebärmuttermyomen leidet an starken Blutungen und Unterleibsschmerzen. Neue Medikamente könnten diese Symptome lindern – mit weniger Nebenwirkungen als klassische Hormontherapien oder eine Operation.
Internationale Forschungspartnerschaft zur Frauengesundheit: Die Professorin Krina Zondervan (Foto 1) von der Universität Oxford in Großbrittanien arbeitet eng mit den BayerSpezialisten Dr. Thomas Zollner (Foto 2) und Dr. Joerg Mueller (Foto 3) aus Berlin zusammen.
Dr. Thomas Zollner
Dr. Joerg Mueller
Kollaboration Oxford und Berlin

Wenn Zellen eine Art eigenen Willen entwickeln und sich den Kontrollmechanismen des Körpers entziehen, fängt das Gewebe an, zu wuchern. Auf Dauer entwickelt sich so eine krankhafte Geschwulst. Ob sie den Weg eines gutartigen oder eines bösartigen Tumors einschlagen, entscheidet ein kleines, aber extrem wichtiges Detail ihres Verhaltens. Bösartige Tumoren dringen in umliegendes Gewebe und Organe ein – und bilden Metastasen. Ein gutartiger Tumor hingegen bleibt an seinem Entstehungsort, dort wächst er unkontrolliert und kann so umliegendes Gewebe zerstören. Eine häufige Folge sind gestörte Abläufe im Körper.

Beispiel Gebärmuttermyom: Bei dieser Art Tumor wuchern Zellen in der Muskulatur der Gebärmutter. „Bis zu drei Viertel aller Frauen in ihren späteren reproduktiven Jahren haben solche Myome”, erklärt Prof. Krina Zondervan von der Universität Oxford, deren Forschungsgruppe den Einfluss von genetischen Faktoren und Umwelt auf die Frauengesundheit untersucht. Die meisten Frauen bemerken diese gutartigen Tumoren überhaupt nicht. Bei jeder Vierten kommt es allerdings zu starken Symptomen wie heftigen Menstruationsblutungen und Bauchschmerzen.

„Dann müssen die Frauen medizinisch behandelt werden, aktuell haben wir aber noch nicht viele Therapieoptionen“, sagt Zondervan. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, Myome zu therapieren: Eine gängige Methode sind Medikamente, die wie Hormone wirken und die Geschwulste schrumpfen lassen. Die andere Variante ist eine Operation, in der die Tumoren chirurgisch entfernt werden. Beide Methoden können zu starken Nebenwirkungen führen – und langfristig entstehen bei der Mehrheit der Patienten wieder Myome.

Krankheitsursachen mit Omics-Methoden auf der Spur

Um eine Krankheit effektiv zu behandeln, müssen Forscher verstehen, wie diese entsteht. Schwierig wird es, wenn bisher nur wenig bekannt ist, wie über Gebärmuttermyome.

Eine Möglichkeit das zu ändern, sind sogenannte Omics-Methoden. Dadurch analysieren die Wissenschaftler sämtliche Moleküle einer Klasse in einer Probe. Beispielsweise alle Gene – sie sprechen dann von Genomics. Diese Herangehensweise lässt sich auf viele weitere Molekültypen übertragen: Zum Beispiel auf Transkripte, das sind die Arbeitskopien der Gene für den Zellstoffwechsel, oder Proteine, die Moleküle, die die meisten Zellfunktionen von der Struktur bis zum Stoffwechsel erst ermöglichen. Hier sprechen Forscher von Transcriptomics beziehungsweise Proteomics. Auch sämtliche Stoffwechselprodukte lassen sich erfassen.

Solche Daten können die Forscher teilweise automatisiert erzeugen. Bei der Auswertung und Kombination sämtlicher relevanter Informationen hilft dann der Computer. So verstehen Wissenschaftler besser wie es zu einer Krankheit kommt und sie können im Optimalfall mit Medikamenten eingreifen, bevor es zu Komplikationen kommt.

„Wir arbeiten mit den Spezialisten von der Universität Oxford zusammen, damit wir unser Fachwissen bündeln und komplett neue Strategien entwickeln können“, bemerkt Dr. Thomas Zollner, Leiter der gynäkologischen Forschung bei Bayer Pharmaceuticals. Die Forschungskooperation zur Frauengesundheit läuft seit 2014. „Wir haben mittlerweile eine zweistellige Anzahl neuer molekularer Mechanismen und potenzieller Wirkstoffe entdeckt“, bemerkt Dr. Joerg Mueller, Laborleiter in der gynäkologischen Forschung bei Bayer. In den vergangenen Jahren haben er und seine Kollegen schwerpunktmäßig im Bereich Endometriose geforscht.

„Jetzt konzentrieren wir uns vor allem auf das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS, siehe research 30) und Gebärmuttermyome, dabei haben wir uns unter anderem für eine systembiologische Herangehensweise entschieden“, ergänzt Zondervan. Denn es gibt bisher nicht viele Publikationen, in denen Forscher Details über die Myomerkrankung – und wie diese zu starken Menstruationsblutungen führt – herausgefunden haben. Die Wissenschaftler untersuchen deswegen zunächst die Grundlagen der Erkrankung. So wollen sie zum Beispiel verstehen, welche Rolle die Gene der Patientinnen bei der Entstehung der Erkrankung spielen. Dafür analysieren die Spezialisten mit sogenannten integrierten Omics-Methoden (siehe Textbox) Gewebeproben der Betroffenen im Hochdurchsatz. „Die direkte und enge Zusammenarbeit mit den Patientinnen ist eine der großen Stärken der Oxford University“, sagt Zollner. Das bringe viele Erfahrungen aus dem Klinikalltag und Zugriff auf viele Gewebeproben.

30

Bei bis zu 30 Prozent aller Frauen mit Gebärmutter­myomen kommt es zu Beschwerden.
Quelle: Williams, 2017, F1000 Research

In einem zweiten Projekt untersuchen die Forscher die Versorgung der Myome mit Blutgefäßen. „Das ist ein entscheidender Schritt bei der Entstehung solcher Zellgebilde“, sagt Zollner. Denn unabhängig davon, ob ein Tumor gut- oder bösartig ist: „ Mehr Zellen benötigen auch mehr Nährstoffe – und die kommen über das Blut“, erklärt Zollner. „Diesen Versorgungsweg wollen wir gewebsspezifisch unterbrechen.“

Uterus

Gutartige Tumoren: Sie entstehen, weil sich die Muskelzellen zu stark teilen. Häufig liegen die Tumoren in der Gebärmutterwand, in seltenen Fällen ragen sie in den Bauchraum.

Mittlerweile haben die Forscher einige vielversprechende Substanzen identifiziert, die in Zukunft Frauen mit Gebärmuttermyomen helfen könnten. „Diese haben nun den langen und beschwerlichen Weg zu einem fertigen Medikament vor sich“, bemerkt Mueller. Die wenigsten Substanzen schaffen es wirklich bis zur Zulassung als Medikament. „Deswegen ist es so wichtig, dass wir weiter forschen, damit wir zahlreiche vielversprechende Moleküle auf die Reise schicken können“, betont Zollner. Die Laufzeit der Kollaboration mit der Oxford University wurde Anfang dieses Jahres bis zum 25. Juni 2022 verlängert, und Zondervan weiß: „Es gibt noch viel zu tun, auch über 2019 hinaus, bis Frauen mit Gebärmuttermyomen weitere Therapieoptionen haben.“ Aber in Bezug auf die Grundlagen der Krankheit weiß die Forschergemeinde heute schon viel mehr als noch vor Beginn der Kollaboration.

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