• Wenn das körpereigene Pflaster versagt

    Thromboseforschungs-Award für Dr. Markus Bender

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    Blick für Blutgerinnung: Dr. Markus Bender erforscht die Mechanismen einer seltenen Erkrankung der Blutplättchen. Seine Ergebnisse könnten zu neuen Möglichkeiten für Früherkennung und Behandlung führen.

Dr. Markus Bender erforscht Störungen der Blutgerinnung. Für seine Arbeiten zu einer seltenen Erbkrankheit erhielt der ­Würzburger Biomediziner den „Bayer Thrombosis Research Award 2015“.

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  • Herausforderung
    Patienten, die am erblichen Wiskott-Aldrich-Syndrom leiden, neigen zu Blutungen. Welche Mechanismen für die Ausprägung dieses Erbgutdefekts verantwortlich sind, war bislang unbekannt.
  • Lösung
    Dr. Markus Bender von der Universität Würzburg hat gemeinsam mit seinen Kollegen diesen Zusammenhang entschlüsselt – und erhielt dafür den „Bayer Thrombosis-Research Award“.
  • Nutzen
    Erkenntnisse über die Krankheitsmechanismen bieten möglicherweise neue Ansätze zur Früherkennung und Behandlung der teils sehr schwer verlaufenden Krankheit.

Eine unachtsame Bewegung beim Gemüseschneiden und schon ist es passiert: Die Fingerkuppe blutet. Um die Verletzung schnell wieder zu schließen, nutzt unser Körper einen genialen Mechanismus: Kleine, diskusförmige Blutplättchen, sogenannte Thrombozyten, sammeln sich an den Wundrändern und bilden einen winzigen Verband. Die Zellen formen längliche Ausläufer und vernetzen sich, sodass kein Blut mehr nachströmen kann. Unser Körper dichtet so kleinere Wunden ab. Allerdings funktioniert dieser Mechanismus bei manchen Menschen nicht richtig – beispielsweise bei Kindern, die am sogenannten Wiskott-Aldrich-Syndrom leiden: Ihr Blut enthält zu wenig Thrombozyten und die Zellen sind zu klein. Die jungen Patienten neigen zu Blutungen und leiden oft unter einem schwachen Immunsystem sowie Hauterkrankungen wie Ekzemen.

Benders Arbeit verbindet grundlegende Themen mit wichtigen klinischen Fragestellungen.

„Die Ursache der Krankheit ist eine Genmutation“, erklärt Dr. Markus Bender, Biomediziner an der Universität Würzburg. Welche Mechanismen dafür verantwortlich sind, dass dieser Erbgutdefekt zu einer Fehlbildung der Blutplättchen führt, war bislang unbekannt. Der 35-jährige Forscher hat mit seinen Kollegen diesen Zusammenhang entschlüsselt: Ausschlaggebend ist das Eiweiß Profilin1. Es sorgt als zellskelettstabilisierendes Protein dafür, dass die Thrombozyten ihre normale, diskusförmige Gestalt annehmen und sich bei der Gerinnung vernetzen können. Den heranreifenden Blutplättchen von Wiskott-Aldrich-Patienten mangelt es an normal lokalisiertem Profilin1, wodurch sich die Zellskelettstruktur verändert. Darauf deuten die Untersuchungen von Benders Team hin – und bieten möglicherweise neue Ansätze zur Früherkennung und Behandlung der teils sehr schwer verlaufenden Krankheit.

2013

wurde der  „Bayer Thrombosis Research Award“ erstmals verliehen

Für seine Ergebnisse erhielt Bender den „Bayer Thrombosis Research Award“. Die mit 30.000 Euro dotierte Auszeichnung würdigt herausragende Leistungen von Nachwuchswissenschaftlern in der Thromboseforschung. „Benders Arbeit verbindet grundlegende Themen mit wichtigen klinischen Fragestellungen“, sagt Dr. Frank Misselwitz, der in der klinischen Forschung bei Bayer den Bereich Herz-Kreislauf und Blutgerinnung leitet. Er ist neben Dr. Dagmar Kubitza und Dr. Elisabeth Perzborn einer der Stifter des Thrombosepreises. Die drei Bayer-Forscher gewannen 2009 den Deutschen Zukunftspreis und stellten das Preisgeld von 250.000 Euro für den Thrombose-Nachwuchspreis zur Verfügung. 
Bayer verdoppelte das Anfangskapital. 2013 wurde der Preis erstmals verliehen.

Mechanismen für fehlerhafte Blutplättchen aufgedeckt

Bender: „Ich will das Preisgeld verwenden, um meine Arbeit bekannter zu machen. Aber auch, um Forschungsideen zu verfolgen, die spannend, aber möglicherweise etwas risikobehaftet sind.“ Bender wurde auch von der Deutschen Forschungsgemeinschaft in das renommierte Emmy-Noether-Programm aufgenommen: Er kann nun fünf Jahre lang eine eigene Nachwuchsgruppe aufbauen – für ihn mit ein Grund, von einem zweijährigen Aufenthalt an der Harvard Medical School in den USA nach Deutschland zurückzukommen. „Es war eine tolle Zeit. Boston ist ein Mekka der Forschung“, schwärmt er. „Doch die Bedingungen für eine wissenschaftliche Laufbahn sind in Deutschland derzeit attraktiver.“

HUMBOLDT-STIPENDIATEN LERNEN BAYER KENNEN

Die andere Seite der Wissenschaft

Junge Wissenschaftler sehen oft wenig Berührungspunkte zwischen Industrie und akademischer Forschung: „Für mich war die Industrie wie eine Blackbox“, sagt Dr. Peter Lundquist. Der Pflanzen-Biochemiker aus den USA absolviert derzeit seine Postdoc-Zeit an der Universität Düsseldorf. Doch anders als die meisten Nachwuchsforscher kann er die Welt der chemischen Industrie ausgiebig kennenlernen. Das ermöglichte ihm ein Forschungsstipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung.

Dr. Peter Lundquist

Biochemiker mit Weitblick: Dr. Peter Lundquist arbeitet derzeit in der Grundlagenforschung – sieht aber auch Chancen in der Industrie.

Die Bayer Science Foundation finanziert jedes Jahr zehn dieser Stipendien. Sie ermöglichen qualifizierten jungen Wissenschaftlern aus aller Welt, bis zu zwei Jahre an einem deutschen Forschungsinstitut zu arbeiten. Die Bayer-Humboldt-Fellows nehmen nicht nur am Programm der Humboldt-Stiftung teil, sondern auch an exklusiven Bayer-Events. Und sie bekommen einen erfahrenen Bayer-Forscher als Mentor zur Seite gestellt. Lundquist traf sich mehrfach mit seinem Mentor Dr. Michael Metzlaff von Bayer Innovation Relations. „Er hat mir die Augen dafür geöffnet, wie dynamisch Industrieforschung eigentlich ist, und welch exzellente Wissenschaft dort betrieben wird“, sagt Lundquist. Derzeit beschäftigt er sich mit Grundlagenforschung: Der Biochemiker untersucht bestimmte Proteine in Pflanzenzellen, die sich in den Membranen der Chloroplasten befinden – jenen Organellen, in denen die Fotosynthese stattfindet. Doch dank des Einblicks in die Bayer-Forschung kann sich Lundquist inzwischen gut vorstellen, später in die Industrie zu wechseln.

Mein Mentor hat mir die Augen dafür geöffnet, wie dynamisch Industrieforschung eigentlich ist, und welch exzellente Wissenschaft dort betrieben wird.

BAYER FÖRDERT NCL-STIFTUNG

Aufklären über Kinderdemenz

Bildungsinitiative bringt praxisorientiertes Unterrichtspaket über die Genetik seltener Krankheiten in die Abiturklassen.

Praxiswissen im Biokurs

Praxiswissen im Biokurs: Abiturienten lernen dank der Bildungsinitiative der NCL-Stiftung die genetischen Grundlagen seltener Erkrankungen – wie der erblich bedingten Kinderdemenz. Auch ethische Fragestellungen werden diskutiert.

Erblich bedingte Kinderdemenz – diese schwere Stoffwechselerkrankung verbirgt sich hinter dem Begriff Neuronale Ceroid Lipofuszinose, kurz NCL. Die Krankheit, von der in Deutschland rund 700 Kinder betroffen sind, endet nach einem langen Leidensweg tödlich. Das Ziel der NCL-Stiftung ist es vor allem, die junge Generation für die Problematik seltener Erkrankungen zu sensibilisieren. Die Bildungsinitiative der Stiftung wird im Rahmen des Schulförderprogramms von der „Bayer Science & Education Foundation“ finanziell unterstützt. Damit werden besondere Unterrichtsideen gefördert, die Schüler nachhaltig für Wissenschaft und Fortschritt begeistern: Die in Hamburg ansässige NCL-Stiftung hat gemeinsam mit Kooperationspartnern ein praxisorientiertes Unterrichtspaket für Abiturklassen entwickelt, um Schüler über die genetischen Grundlagen von NCL und weiteren seltenen Erkrankungen aufzuklären. Gleichzeitig verdeutlicht ihnen der Exkurs, wie wichtig das erlernte Wissen für die Medizin ist, gibt Einblicke in medizinische Berufsfelder und wirft auch ethische Fragestellungen auf. Zum Abschluss werden die Abiturienten selbst aktiv und organisieren eine Informationskampagne oder Benefizveranstaltung. Im Mai gewann die NCL-Stiftung zudem den zweiten Platz des Aspirin Sozialpreises 2015 der Bayer Cares Foundation.

Im Mai 2015 gewann die NCL-Stiftung den

2. Platz

des Aspirin Sozialpreises