• Netzwerk für die Medizin

    Gemeinsam mit internationalen Spitzenforschern zu neuen Therapien

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    Struktursuche: Damit Medikamente an einer bestimmten Stelle im Körper andocken, müssen die Forscher verstehen, wie die Zielstruktur aussieht. Dadurch können sie einen Wirkstoff entwickeln, der genau dort bindet. Bayer-Mitarbeiter der Strukturbiologie wie Tina Stromeyer unterstützen daher die Wissenschaftler bei der Untersuchung von Kristallen unter dem Mikroskop.

Rund um den Globus vereint Pharmaforscher und Patienten ein großes Ziel: Sie suchen nach schlagkräftigen Therapien, die Leben verlängern können und ganz neue Behandlungsmöglichkeiten bieten. Deshalb kooperieren Bayer-Experten mit Spitzenforschern auf der ganzen Welt, beispielsweise auch in den USA und China. Gemeinsam wollen sie kreative Ansätze für neue Medikamente zum Beispiel gegen Krebs, Herz-Kreislauf- und Lungen-Erkrankungen entwickeln. Mit dieser geballten Innovationskraft wollen Bayer-Forscher das Leben der Menschen verbessern.

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  • Herausforderung:
    Schlagkräftige Therapien erfordern wirkliche Neuerungen: Sie sollen das Leben von Patienten verbessern und wenn möglich verlängern.
  • Lösung:
    Bayer-Experten kooperieren deshalb mit Spitzenforschern unter anderem in China und den USA. Gemeinsam entwickeln sie neue Ansätze für Krankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen.
  • Nutzen:
    So sollen innovative Therapien auch für Patienten entstehen, für die es bislang kaum oder keine Behandlungsmöglichkeiten gibt.                 

Pharmaforschung ist ein Unterfangen mit Risiko: Innovative Ideen können auf ihrem Weg zum Medikament scheitern – oder erfolgreich sein und Patienten ein besseres Leben ermöglichen. Zu solchen Ideen zählen zum Beispiel individualisierte Krebstherapien oder innovative Wirkstoffe für Patienten mit Hämophilie, die nicht mehr injiziert werden müssen. Auch Bayer-Forscher suchen nach diesen Innovationen, die oft an den Grenzen des aktuellen Wissens entstehen. „Um wirklich neue Therapiestandards zu setzen oder Patienten helfen zu können, für die wir noch keine Therapien kennen, brauchen wir medizinische Durchbrüche“, erklärt Prof. Dr. Andreas Busch, Leiter Global Drug Discovery bei Bayer HealthCare.

Die Suche nach neuen Wegen an den Grenzen des Bekannten funktioniert am besten gemeinsam im Netzwerk mit Spitzenforschern aus aller Welt – und das auf vielen verschiedenen Forschungsgebieten. Und der Bedarf ist groß – Beispiel Lungenkrebs: „Manchen Lungenkrebs-Patienten mit einer Veränderung in einem bestimmten Gen können wir bereits gut helfen, anderen dagegen kaum – je nachdem, welches Gen mutiert ist“, erklärt Dr. Matthew Meyerson, Pathologe am Dana-Farber-Krebsforschungszentrum, Boston, USA. Der Wissenschaftler war führend bei der Entwicklung von zwei Therapien für Lungenkrebs-Patienten – und will jetzt mit den Forschern von Bayer HealthCare weitere zielgerichtete Ansätze finden. „Unser Wissen über die spezifischen Eigenschaften von Tumorzellen ist heute so weit, dass wir es mit vereinten Kräften in bahnbrechende Innovationen für Patienten mit unterschiedlichen Tumorarten umsetzen können“, erklärt Dr. James E. Bradner. Er ist Onkologe am Dana-Farber-Krebsforschungszentrum. Meyerson und er leiten zudem jeweils ein Forschungslabor am weltweit renommierten Broad Institute, Boston, USA – ein wichtiger Kooperationspartner, mit dem die Bayer-Forscher nach neuen Krebstherapien suchen.

Um Patienten helfen zu können, für die wir noch keine Therapie kennen, brauchen wir medizinische Durchbrüche.

Video: Gemeinsam auf der Suche nach neuen Krebstherapien

Dr. James E. Bradner

Unser Wissen über die spezifischen Eigenschaften von Tumorzellen ist heute so weit, dass wir es mit vereinten Kräften in bahnbrechende Innovationen für Patienten mit unterschiedlichen Tumorarten umsetzen können.

Kooperation für neue Krebstherapien: Intensiver Austausch mit Forschern vom Broad Institute

Das Broad Institut vereint Wissenschaftler aus Harvard, dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) und mehreren Krankenhäusern unter einem Dach und ist Vorreiter auf dem Gebiet der Onkogenomik. Die Wissenschaftler suchen im Rahmen der noch jungen Kooperation beispielsweise nach Genveränderungen, die typisch sind für verschiedene Krebsarten – und so Angriffspunkte für neue Therapien bieten könnten. Um solche Gene zu finden, analysieren die Forscher mit modernsten Technologien viele Tumorgenome von Patienten – und vergleichen diese mit den Genomen der gesunden Zellen derselben Patienten. „Dadurch können wir exakt die Stellen identifizieren, die Krebszellen von normalen Zellen unterscheiden“, erklärt Dr. Barbara Nicke, Biologin bei Bayer HealthCare. Viele der krankmachenden Veränderungen im Erbgut lassen sich zwei Gruppen zuordnen – in Mutationen zu Onkogenen, die die Zellvermehrung fördern und in Mutationen in sogenannten Tumorsuppressorgenen, die daraufhin das Zellwachstum nicht mehr bremsen können.

Transatlantischer Austausch i

Transatlantischer Austausch: Dr. Florian Pühler von Bayer (li.) begleitet die Kooperation zwischen dem Konzern und dem Broad Institute in Boston – und tauscht sich so auch eng mit Broad-Forscher Dr. Matthew Meyerson aus.

Sind die sogenannten Tumortreiber identifiziert, machen sich Nicke und ihre Kollegen an die Arbeit, die Bedeutung der Gene auch experimentell im Labor zu untersuchen. Dabei tauschen sich die Bayer-Forscher mit den Experten am Broad Institute aus und profitieren von deren Erfahrung. Auch bei der späteren Auswahl der potenziellen Entwicklungskandidaten hilft das geballte Wissen: „Unsere Substanzbibliotheken ergänzen sich und eröffnen ganz neue Möglichkeiten für Patienten, für die es derzeit noch keine Therapien gibt“, sagt Dr. Florian Pühler, Alliance Manager bei Bayer HealthCare, der in Boston stationiert ist und die Kooperation vor Ort begleitet.

Während viele biologische Mechanismen in der Krebsforschung schon sehr detailliert bekannt sind, müssen diese auf anderen Gebieten erst noch erkundet werden. „Dafür kooperieren wir mit exzellenten Wissenschaftlern aus akademischen Forschungseinrichtungen“, erklärt Dr. Chris Haskell, Leiter des Science Hub von Bayer HealthCare in San Francisco, USA. So haben Experten um die Bayer-Forscherin Dr. Ye Jin und Prof. Charles Craik vom Institut für Pharmazeutische Chemie an der University of California San Francisco (UCSF) einen Mechanismus untersucht, mit dem das angeborene Immunsystem den menschlichen Körper vor Fremdkörpern und Eindringlingen schützt: die sogenannte NETose. Bei einer Infektion setzen bestimmte Zellen des Immunsystems – die sogenannten neutrophilen Granulozyten – im Blut eine Art Spinnennetz aus DNA frei, an das sich antimikrobielle Stoffe anlagern. Dieses Netz hält Mikroorganismen fest und kann sie zerstören.

Wertvoller Informationsträger Erbgut

Wertvoller Informationsträger Erbgut: Moderne Analyseroboter wie die in der Sequencing-Abteilung des Broad Institutes entlocken der Patienten-DNA ihre Geheimnisse und helfen, exakt die Stellen im Tumorgenom zu identifizieren, die Krebszellen von normalen Zellen unterscheiden. So können Forscher wie Kendra West und Karen Israel (v. li.) relevante Tumortreiber erkennen und weiter untersuchen.

Bis zu

10 Jahre

dauert die Entwicklung eines Medikaments von der Wirkstoffsuche bis zur Zulassung.

Bayer CoLaborator: Inspirierendes Umfeld

Wie einzelne Unternehmen von einem wissenschaftlichen Netzwerk profitieren können, zeigt auch die Idee des CoLaborator: So hat sich das Start-up „Xcell Biosciences“ am Bayer-Standort Mission Bay in Kalifornien nahe den Laboren von Bayer HealthCare eingemietet. „Die Technologie ist aus unserer Sicht sehr vielversprechend“, erklärt Dr. Chris Haskell, Leiter des US Science Hub. Die von „Xcell Biosciences“ entwickelte Plattform „Avatar“ hat das Ziel, die Krebszellen eines Patienten spezifisch zu analysieren: Mit einer Blutprobe wollen die Krebsspezialisten in Zukunft ermitteln, welche Medikamente bei einem bestimmten Tumor helfen können. „Wir haben unser wissenschaftliches Netzwerk in dieser innovativen Umgebung bereits weiter ausgebaut und gefestigt“, bestätigt Brian Feth, Gründer von „Xcell Biosciences“. Auch am Standort in Berlin gibt es seit Mai 2014 die Möglichkeit für junge Life-Science-Unternehmen, Labor- und Büroräume in unmittelbarer Umgebung zur Bayer-Forschung anzumieten. Dadurch soll der wissenschaftliche Austausch über Unternehmensgrenzen hinweg unterstützt werden.

So hilfreich dieser Mechanismus auch ist: „Es werden immer mehr Entzündungs- und Autoimmunerkrankungen bekannt, bei denen die NETose über das Ziel hinausschießt, benachbarte Zellen zerstört oder sogar Thrombosen auslöst“, beschreibt Jin unerwünschte Nebeneffekte. Solche Störungen sind auch bei rheumatoider Arthritis oder Lungen-Erkrankungen wie zystischer Fibrose oder allergischem Asthma beobachtet worden. Gemeinsam mit der Expertise von Craiks Team haben die Bayer-Forscherin Jin und ihre Kollegen wichtige Waffen der neutrophilen Granulozyten identifizieren und analysieren können: „Bestimmte Enzyme – sogenannte Proteasen – scheinen eine Schlüsselrolle in der NETose-Funktion zu übernehmen und könnten deshalb attraktive diagnostische Marker ebenso wie mögliche Angriffsziele für neue Therapien sein“, so Jin. Auch bei verschiedenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen könnte NETose von Bedeutung sein. Deshalb suchen die Bayer-Forscher gemeinsam mit ihren erfahrenen Kollegen der UCSF nach Ansätzen, mit denen sie NETose NETose regulieren können. Sie konnten bereits vier wichtige Proteasen identifizieren, die jetzt weiter untersucht werden. „Das Projekt zeigt den Erkenntnisgewinn, wenn akademische und industrielle Spitzenforscher eng kooperieren“, sagt Busch. Denn ohne die gemeinsamen Anstrengungen und das Wissen beider Seiten – von UCSF und Bayer – wäre das Projekt wahrscheinlich nicht so erfolgreich gewesen: „Wir haben sehr viel Erfahrung und die passenden Technologien, Proteasen und deren Aktivitäten zu analysieren“, erklärt Craik. Von Bayer konnte sein Team lernen, wie sich dieses Wissen schließlich für die pharmazeutische Forschung nutzen und in einen Projektplan integrieren lässt.

Neue Projekte wie die NETose-Forschung sind aber immer auch ein Wagnis für alle Beteiligten: Einerseits können sie einen innovativen Therapieansatz hervorbringen, andererseits aber auch in einer Sackgasse enden. „Wer Durchbrüche erreichen will, darf aber keine Angst vor Fehlern haben. Innovationen leben immer auch vom Risiko – und das dürfen und müssen wir bewusst eingehen“, erklärt Busch. So war auch das NETose-Projekt in unterschiedliche Risiko-Stufen geteilt. Nach einer ersten Versuchsphase wurden die Ergebnisse von beiden Seiten evaluiert – und dank guter Erfolge weitergeführt.

Krebswachstum: Gene als Bremsen und Gaspedale

Krebs beginnt immer mit Veränderungen in der DNA. Auch wenn eine einzelne Mutation in der Regel noch keinen Krebs entstehen lässt, sind heute zwei wichtige Klassen von Genen bekannt, die mit dem Verlust der Wachstumskontrolle verbunden sind:

Gen-Veränderungen zu Onkogenen beschleunigen die Zellteilung, mutierte Tumorsuppressorgene können das Zellwachstum nicht mehr wirksam bremsen.

Gute Mischung: Risikoreiche Projekte zu neuen Technologien und konkreten Forschungsvorhaben

Dass Kooperationen zwischen Universitäten und Industrie-Unternehmen äußerst erfolgreich sein können, das zeigen auch strategische Partnerschaften mit Spitzenforschern auf der anderen Seite des Erdballs – im Reich der Mitte: „Wir setzen auf eine gute Mischung aus risikoreicheren Anfangsprojekten, zum Beispiel zu neuen Technologien, und ganz konkreten Forschungsvorhaben“, erklärt Dr. Jing-Shan Jennifer Hu, Leiterin des Bayer HealthCare Innovation Center China in Peking. So arbeitet eine Gruppe um Prof. Dr. Hilmar Weinmann, Abteilungsleiter in der Medizinischen Chemie bei Bayer HealthCare in Berlin, gemeinsam mit Prof. Dr. Xiaoyu Li von der Peking University am Aufbau DNA-kodierter Substanzbibliotheken. In diesen könnten Bayer-Forscher in Zukunft mit einer hocheffizienten Technologie nach neuen Startpunkten für therapeutische Moleküle suchen.

Suche im Hochdurchsatz-Screening

Ist die molekulare Zielscheibe, das sogenannte Target, für eine neue Therapie gefunden, müssen die Wissenschaftler eine Substanz finden, die dieses Eiweißmolekül abfängt oder beeinflusst. Dazu suchen und entwickeln sie eine chemische Verbindung, die besonders gut dazu passt – wie der Schlüssel zum Schloss. Um einen geeigneten Schlüssel zu finden, bedienen sich die Forscher dabei der Substanzbibliotheken: Dort sind Millionen chemischer Verbindungen gesammelt, die Wissenschaftler bereits hergestellt haben. Aus dieser riesigen Menge müssen sie die aussichtsreichsten Kandidaten heraussuchen. Das geschieht mit dem Hochdurchsatz-Screening: Damit können viele Substanzen schnell und vor allem vollautomatisch im Labor auf ihre Wirkung getestet werden. In kleinen Proben mischen Roboter winzige Mengen des biologischen Targets mit den einzelnen Verbindungen aus der Substanzbibliothek.

Das Besondere daran: Jedes der kleinen Moleküle wird mit einem DNA-Stück versehen – einer Art Barcode. „Wir benötigen dadurch einen viel geringeren Aufwand in der Substanzlogistik – und können extrem große Substanzbibliotheken sehr effizient testen“, erklärt Weinmann. Läuft das Pilotprojekt weiterhin so vielversprechend, lässt es sich auf weitere Vorhaben übertragen. Und es könnte künftig zu einer wichtigen zusätzlichen Technologie werden – bei der Suche nach neuen Molekülen in der Krebstherapie ebenso wie für andere Erkrankungen. Ohne die chemische Expertise an der Peking University wäre das Projekt jedoch nicht zu realisieren gewesen: Lis Team hat die DNA-Codes ebenso wie die finale Molekül-Bibliothek erstellt. „Der Austausch mit anderen Experten und renommierten Institutionen stärkt den Forschergeist in unseren Teams, inspiriert Querdenker – und eröffnet Wege für neue Technologien und Therapien“, sagt Busch.

Abwehr mit verschiedenen Strategien

Aufgabe des Immunsystems ist es, Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten und andere schädliche Umwelteinflüsse auf unseren Körper abzuwehren und Infektionen zu verhindern. Der Mensch hat dafür zwei Mechanismen entwickelt: Das angeborene Immunsystem, das schnell reagiert und eher unspezifisch wirkt. Es ruft zum Beispiel Entzündungsreaktionen hervor, zu denen auch die NETose zählt. Der andere Mechanismus ist spezifischer und richtet sich gezielt gegen Substanzen, die der Körper als fremd betrachtet. Dieses System benötigt bis zur Reaktion etwas mehr Zeit und wird als das sogenannte erworbene Immunsystem bezeichnet. Es kann sich Eindringlinge merken und so bei einer zweiten Infektion auch wieder erkennen. Beide Mechanismen ergänzen sich.

Das zeigt sich ebenfalls bei der Entwicklung eines neuen Wirkstoffs für Hämophilie-Patienten – auch dabei hat sich partnerschaftlicher Input unter erfahrenen Experten bewährt: „Wir suchen nach einem Wirkstoff, der übermäßigen Blutverlust unterbindet und sich in Form einer Tablette einnehmen lässt“, erklärt Dr. Martina Schäfer, Strukturbiologin bei Bayer HealthCare. Die Idee der Forscher: Sie wollen ein bestimmtes Enzym blockieren, das in der sogenannten Fibrinolyse – also beim Auflösen von Blutgerinnseln – eine Schlüsselrolle spielt. „Schaffen wir es, dieses Enzym zu hemmen, dann fördert das die Wundheilung, die bei vielen Hämophilie-Patienten nicht mehr korrekt funktioniert“, erklärt Schäfer. Der Wirkstoff befindet sich mittlerweile in der Entwicklungsphase und könnte Patienten mit einer Bluterkrankheit in Zukunft das regelmäßige Injizieren von Gerinnungsfaktoren ersparen.

Vom Molekül zum Medikament - ein Testmarathon

Der Weg vom aussichtsreichen Wirkstoff bis in die Apotheke gleicht einem Marathon, der nicht nur exzellente Partner, sondern auch viel Durchhaltevermögen erfordert. Haben Bayer-Forscher einen vielversprechenden Kandidaten für ein neues Arzneimittel gefunden, muss er in mehreren Studien getestet werden. Das dauert rund zehn Jahre und erfordert oft Investitionen von mehr als einer Milliarde Euro.

Spitzen-Partnerschaft

Spitzen-Partnerschaft: Bayer-Forscherin Dr. Ye Jin und Prof. Dr. Charles S. Craik von der University of California San Francisco (v. li.) untersuchen einen vorwiegend noch unbekannten Mechanismus des menschlichen Immunsystems.

Doch das Enzym – eine Protease – hat es in sich: „Um die gewünschte Funktion zu hemmen, brauchen wir ein Molekül, das sich perfekt in die 3-D-Struktur einpasst – und auch nur dort bindet“, sagt Dr. Ursula Egner, Leiterin der Abteilung Strukturbiologie bei Bayer HealthCare. Ist ein potenzieller Wirkstoffkandidat erst einmal gefunden, muss er weiter optimiert werden. Dafür erstellen Schäfer und ihr Team 3-D-Modelle von Kristallstrukturen. Zuvor müssen die Bayer-Experten allerdings verstehen, wie die beiden Moleküle aufgebaut sind und wie sie aneinander binden. „Diese Informationen erhalten wir über Kristallstrukturen der entsprechenden Molekülkomplexe“, sagt Schäfer.

Jeder Molekülkomplex birgt andere Herausforderungen - und verlangt nach neuen Partnern

Um die chemischen Verbindungen zu untersuchen, ist sehr viel Geschick und Erfahrung mit unterschiedlichen Lösemitteln und anderen Chemikalien notwendig. Denn jeder Molekülkomplex ist anders – und birgt neue Herausforderungen. Bayer-Forscher suchen deshalb immer wieder nach unterschiedlichen Partnern mit besonderer Expertise. Beim Hämophilie-Projekt haben sie in Prof. Dr. Haitao Li von der Tsinghua University in Peking einen idealen Mitstreiter gefunden. „Haitao Lis Team hat für uns wertvolle Kristallstrukturen erarbeitet – und bei der Proteinreinigung eine Substanz verwendet, die wir jetzt auch routinemäßig nutzen werden“, sagt Dr. Naomi Barak, Alliance Managerin am Bayer HealthCareInnovation Center China und zuständig für die Kollaboration mit der Tsinghua-University. Doch auch Li hat eine Menge von den Bayer-Kollegen gelernt: „Ich habe wertvolle Einblicke in die Wirkstoffentwicklung erhalten – und viel über neue Hämophilie-Therapien erfahren“, sagt Li, der bisher vor allem auf dem Gebiet „Structural Epigenetics“ gearbeitet hat.

Keine Scheu vor Risiken: Bayer-Forscherin Dr. Ye Jin schlug vor, die Arbeit an einem ganz neuen Projekt zu beginnen. Ihr Mut zahlte sich aus.
Zellvergleich: Kleinste Veränderungen im Erbgut unterscheiden eine gesunde Zelle von einer Krebszelle. Um solche Gene zu finden, analysieren Forscher wie Cassandra Elie vom Broad Institute im amerikanischen Boston mit modernsten Technologien viele Tumorgenome von Patienten – und vergleichen diese mit den Genomen der gesunden Zellen derselben Patienten.
Wirkstoff-Reinigung im Labormaßstab: Neue, biotechnologisch produzierte Medikamente werden in Säugetier-Zellen hergestellt. Katherine Tran, Protein-Forscherin bei Bayer in San Francisco, beschriftet einen Plastikbeutel mit Kulturmedium, in dem die wertvollen Zellen wachsen und aus denen sich schließlich die Wirkstoffe aufreinigen lassen.
Kollege Roboter: Bevor aussichtsreiche Proteinkristalle weiter untersucht werden können, müssen sie zunächst produziert werden. Bayer-Mitarbeiterin Tina Stromeyer belädt dafür einen Pipettierroboter mit einer Proteinkristallisationslösung. So lassen sich viele Versuche parallel starten.
Efrat Harel unterstützt Bayer-Forscher in ihren Kooperationsprojekten.
Im Team zum Erfolg: Die Bayer-Wissenschaftlerinnen Dr. Anke Müller-Fahrnow und Dr. Ursula Egner (v. li.) setzen auf die fachliche Expertise des Kristallographie-Spezialisten Prof. Haitao Li von der Tsinghua University. Dieser wiederum erhält Einblicke in den Pharmakonzern und profitiert vom Erfahrungsschatz der Forscher.

Lebensqualität für Bluterkranke verbessern

Die Bluterkrankheit Hämophilie betrifft vor allem Männer. Den Patienten fehlt ein bestimmter Faktor in der Blutgerinnung. Daher neigen sie zu starken Blutungen, die gefährliche Folgen haben können. Weltweit leiden rund 400.000 Menschen an der Bluterkrankheit. Sie ist nicht heilbar, doch man kann den fehlenden Faktor mittlerweile intravenös zuführen. Das entsprechende Eiweiß wird im Blut aber mit der Zeit abgebaut. Es muss daher regelmäßig verabreicht werden – mehrmals wöchentlich. Bayer-Forscher arbeiten derzeit daran, die Wirkdauer des Gerinnungsfaktors im Blut zu verlängern und die Lebensqualität der Patienten dadurch zu verbessern.

Fokus auf Patientennutzen: Innovationskraft auch in Randgebieten weltweit weiter stärken

Auf welchem Forschungsgebiet sich die Kooperationspartner auch bewegen: „Im Mittelpunkt steht der direkte Nutzen für die Patienten“, sagt Busch. Für die Zukunft ist ihm vor allem wichtig, dass der Fokus der einzelnen Projekte nicht zu eng gezogen wird: „Wir müssen immer wieder auf Randgebiete schauen – und so Freiräume für mögliche neue Therapien eröffnen“, erklärt Busch. Auch das Hämophilie-Projekt birgt Potenzial weit über ein Medikament für Bluterkranke hinaus: „Denkbar wäre zum Beispiel auch eine Tablette für Frauen mit starken Monatsblutungen“, sagt die Bayer-Forscherin Schäfer. Aber auch starke Blutverluste etwa bei einer Organtransplantation könnten so verhindert werden.

Die Innovationskraft geht den Bayer-Forschern so schnell also nicht aus. Um Patienten weltweit zu erreichen, setzen sie auf renommierte Kooperationspartner rund um den Erdball – und wagen sich gemeinsam mit ihnen auf wissenschaftliches Neuland.

Interview: Dr. Stuart Schreiber

Dr. Stuart Schreiber

„Forschen für Patienten“

Dr. Stuart Schreiber ist eines von vier Gründungsmitgliedern am Broad Institute, Boston, USA. Das renommierte gemeinnützige Forschungsinstitut vereint exzellente Wissenschaftler und Onkologen unter einem Dach und verfügt über umfassendes Know-how in der Tumorbiologie und Krebsmedizin.

Welche Projekte aus dem Gebiet der Krebsforschung halten Sie für besonders vielversprechend?

Krebszellen sind robust und extrem überlebensfähig. Wir lernen allmählich, dass Tumore sich wie Organe entwickeln können. Genau dieser Zelldifferenzierungsprozess ist ein Angriffspunkt für Krebstherapien. Das macht ihn sehr interessant. Es gibt in der Tumortherapie auch einige neue – sogenannte epigenetische – Angriffsziele, die ich für sehr vielversprechend erachte.

Was bedeutet die Kooperation zwischen Bayer und dem Broad Institute für Sie?

Wir am Broad Institute fokussieren uns vor allem auf die frühe biomedizinische Forschung. Bayer ist der erste Partner, der viel Erfahrung damit hat, frühe Entwicklungen bis hin zu Medikamenten umzusetzen, die für Patienten zugelassen sind. Da ist vieles neu für uns. Und es ist sehr spannend, gemeinsam mit Bayer diesen Weg zu gehen.

Wie werden Patienten in Zukunft von der Forschung am Broad Institute profitieren?

Unsere Therapie-Entwicklung hat einen starken Fokus auf die Bedürfnisse der Patienten – und ist eng verknüpft mit der menschlichen Biologie ebenso wie mit den individuellen Merkmalen der Krebspatienten. Wir denken, dass wir neue und effiziente Medikamente so deutlich schneller entwickeln können.

Interview: Dr. Karl Max Einhäupl

Prof. Dr. Karl Max Einhäupl

„Schnell zum Erfolg“

Prof. Dr. Karl Max Einhäupl ist Neurologe und Vorstandsvorsitzender der größten Universitätsklinik Europas: An der Berliner Charité arbeiten 16.000 Schwestern, Pfleger, Ärzte und Wissenschaftler nah an den Bedürfnissen der Patienten.

Auf welche Therapien hoffen Patienten heute vor allem?

Patienten möchten möglichst schnell von neuen Therapien profitieren und diese zu erschwinglichen Preisen erhalten können.

Woran messen Patienten den Erfolg neuer Therapien?

Sie bewerten den Erfolg ihrer Behandlung am Verhältnis zwischen Wirksamkeit und Nebenwirkungen. Der zunehmend aufgeklärte Patient wird mehr und mehr abwägen, inwieweit er sich möglichen Behandlungsrisiken aussetzen möchte.

Für welches Krankheitsbild wurde Ihrer Meinung nach in den vergangenen Jahren der größte Fortschritt erzielt?

Als Neurologe kann ich sagen, dass sich mein Fach von einer beschaulichen Disziplin zu einem expliziten Therapiefach entwickelt hat: Wir sehen deutliche Fortschritte bei Erkrankungen wie Parkinson, Dystonie, Epilepsie, mutlipler Sklerose und anderen schweren Infektionen des Nervensystems.

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