• Dem Immunsystem auf der Spur

    Ausgezeichneter Nachwuchsforscher: Pflanzenspezialist Dr. Steven Spoel

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    Pflanzen verstehen - Menschen heilen: Der Biologe Dr. Steven Spoel erforscht, wie das Abwehrsystem auf der Zellebene funktioniert und sich beeinflussen lässt.

Die Bayer Science & Education Foundation fördert Spitzenwissenschaft und Nachwuchstalente. Der Molekularbiologe Dr. Steven Spoel hat für seine Forschung zur genetischen Regulation des Pflanzenimmunsystems den Early Excellence in Science Award 2013 gewonnen. Seine Arbeiten an Pflanzen lassen sich möglicherweise sogar auf die Krebsforschung übertragen.

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  • Herausforderung:
    Bayer ist als Erfinderunternehmen auf Innovationen angewiesen. Voraussetzungen dafür sind ein gut ausgebildeter Nachwuchs, Forschungskooperationen mit Top-Wissenschaftlern und ein funktionierendes soziales Umfeld.
  • Lösung:
    Die Bayer-Stiftungen ermöglichen über den regulären Geschäftsbetrieb hinaus eine vertiefte Interaktion im Non-Profit-Sektor: Zusammen mit Nachwuchstalenten und Pionieren der Zivilgesellschaft arbeitet Bayer an neuen Wegen zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen.
  • Nutzen:
    So ergänzt die Stiftungsarbeit Bayer dabei, das Unternehmensziel „Science for A Better Life“ zu erfüllen.                 

Viele wichtige Entdeckungen in den Lebenswissenschaften wurden zuerst an Pflanzen erkannt – und später auf den Menschen übertragen. So könnte es auch mit den Arbeiten von Dr. Steven Spoel sein. Der 34-jährige Niederländer forscht derzeit als Projektleiter der „Royal Society“ am Institut für Molekulare Pflanzenwissenschaften der University of Edinburgh. Spoel hat sich auf das Immunsystem der Pflanzen spezialisiert oder besser gesagt: auf ein Puzzleteil davon. Denn das pflanzliche Abwehrsystem ist ein komplexes Gefüge aus Genregulatoren. „Mich interessiert, wie Pflanzenzellen Umweltveränderungen wahrnehmen und darauf reagieren“, erklärt Spoel. Der Biologe widmet sich vor allem den Folgen von Schädlingsbefall. Ob eine Pflanze wächst und überlebt, hängt aber von vielen Faktoren ab. Neben natürlichen Feinden wie Insekten oder Bakterien wird das Pflanzenwachstum auch beeinflusst von Nährstoff- und Wasserangebot sowie Hitze und Kälte.

Mich interessiert, wie Pflanzenzellen Umweltveränderungen wahrnehmen und darauf reagieren.

Zellspezialisten

Genregulatoren steuern in einer Zelle, welche Gene im Erbgut aktiv sind und abgelesen werden – und welche nicht. Denn jede Zelle im menschlichen Körper produziert genau die Gene – und damit dann auch Zellbestandteile – , die für ihre individuelle Funktion wichtig sind. So produziert eine Hautzelle auf dem Weg zur verhornten Hautschuppe zum Beispiel Keratin, ein Struktureiweiß, das auch Haare und Nägel mechanisch und chemisch widerstandsfähig macht und den Körper so vor schädigenden Umwelteinflüssen schützen kann. Eine Muskelzelle dagegen hätte keinen Nutzen von diesem Protein. Stattdessen exprimiert sie das für sie typische Myosin. Dieses Motorprotein ist mitverantwortlich für den Mechanismus der Muskelkontraktion.

Das Wissen über das Zusammenspiel zwischen Umwelt und Pflanzenimmunsystem wächst – und damit auch die Einflussmöglichkeiten der Forscher, die Pflanzen gegen widrige Umstände zu wappnen. „Für die Ernährung einer steigenden Weltbevölkerung ist das ein sehr wichtiges Ziel. Zudem wächst die Bedeutung der Nutzung von Pflanzen zum Beispiel für die Energiegewinnung oder als Arzneimittelproduzenten“, erläutert Spoel. Neben widerstandsfähigeren Pflanzen und stabileren Ernteerträgen hofft Spoel auf einen weiteren Effekt seiner Forschung: „Auf der Zellebene gibt es einige Parallelen zwischen dem pflanzlichen und dem menschlichen Immunsystem. Unsere Forschung könnte unter anderem sogar Ansätze für neue Krebstherapien eröffnen.“ Für seine Forschung hat Spoel den Early Excellence in Science Award 2013 gewonnen – gestiftet wird der Preis von der Bayer Science & Education Foundation. Das Puzzleteil seiner Forschungsarbeit dreht sich rund um Salicylsäure. Das Ausgangsprodukt von Acetylsalicylsäure – dem Wirkstoff in Aspirin™ – hilft einer Pflanze, sich gegen Schädlinge zur Wehr zu setzen.

Hilfe gegen Schädlinge: Salicylsäure schaltet Gene an und aktiviert die Immunabwehr

„Wir wissen, dass das pflanzliche Immunsystem zur Abwehr von Pathogenen bestimmte Gengruppen aktivieren kann“, sagt Spoel. Die Salicylsäure hilft, die Informationen im Erbgut korrekt abzulesen und die zur Abwehr benötigten Gene einzuschalten. „Viele dieser molekularen Mechanismen, bei denen Salicylsäure die Gene verändert, gelten auch für die Zellen von Menschen und Tieren“, erklärt der Biologe. Fehler in diesem sensiblen Netzwerk haben deshalb Auswirkungen auf den Stoffwechsel und den gesamten Organismus: Fehlreaktionen im Immunsystem und das Entstehen von Erkrankungen können die Folge sein. Spoel: „Wir müssen genauer verstehen, welchen Effekt Salicylsäure und andere Faktoren auf das fein austarierte Regulationssystem haben – und wie wir diese Effekte beeinflussen können.“

Seine Faszination für den Immunsystem-Aktivator hat Spoel während seiner Doktorarbeit an der Duke University in North Carolina, USA, entdeckt. Zuvor studierte er Biologie an der niederländischen Utrecht University. Dass er seine Karriere den Pflanzen widmen möchte, war Spoel früh klar. Seine Eltern stellten ihm und den Geschwistern eine Ecke des Gartens zur Verfügung: Samen einpflanzen, gießen, düngen und wachsende Pflanzen beobachten. „Binnen kürzester Zeit habe ich die Parzellen meiner Geschwister übernommen“, sagt Spoel. Ausgleich sucht der Biologe im Sport: Seit dem fünften Lebensjahr praktiziert er Judo. Und Spoel nimmt regelmäßig am Halbmarathon in Glasgow teil. Sein Durchhaltevermögen lässt auf eine vielversprechende Karriere hoffen – und auf neue Erkenntnisse auch für die Krebsmedizin.

Tierärzin in Namibia

Praktische Erfahrung: Marion Leiberich im OP

Interview Marion Leiberich

Marion Leiberich

Tierärzin in Namibia

Die 25-jährige Veterinärmedizinerin Marion Leiberich ist Afrika-Fan. Mit ihrem Carl-Duisberg-Stipendium der Bayer Foundation hat sie sich während ihres Studiums ein Praktikum an der Windhoek Veterinary Clinic in Namibia finanziert.

Warum zieht es Sie immer wieder nach Afrika?

Warum zieht es Sie immer wieder nach Afrika?

Wie haben Sie von dem Praktikum profitiert?

Ich habe Tiere untersucht, geröntgt und bei Ultraschalluntersuchungen assistiert. Ich durfte sogar selbst operieren. Wenn ich diese Erfahrungen noch durch den Umgang mit Wildtieren erweitern kann, werde ich hoffentlich einen Platz für das Aufbaustudium „Wild Animal Health“ in London bekommen.

Engagement in Nepal

Seit ihrem erfolgreichen Bachelor-Abschluss lebt die Physiotherapeutin Alexandra Hummel für ihren Beruf. Mithilfe des  Hermann Strenger Stipendiums hat sie sich ein Praktikum in der Clinic Nepal finanziert: „Physiotherapie gibt es in Nepal so gut wie nicht“, erzählt Hummel. Nach Nepal zog es sie „wegen der hohen Berge und weil man im medizinischen Bereich viel sieht, was es in Europa nicht gibt.“ Nach dem Freiwilligendienst und einem Master in Physiotherapie würde sie gerne in der klinischen Forschung arbeiten, erzählt Hummel: „Anhand von Wirksamkeitsstudien kann man feststellen, welche Anwendungen wirklich helfen.“ Solche wissenschaftlichen Belege fordern die Krankenkassen oft.

BayerFellowship Programm

Die Bayer Science & Education Foundation unterstützt junge Talente im In- und Ausland mithilfe maßgeschneiderter Stipendienprogramme bei der Realisierung besonderer Studien- und Berufsvorhaben: im Mittelpunkt des Herbert-Strenger-Stipendiums stehen dabei Auszubildende in kaufmännischen und naturwissenschaftlich-technischen Berufen sowie im Gesundheitswesen, die erste Berufserfahrungen im Ausland sammeln wollen.

Engagement in Nepal

Freiwilligendienst: In der Clinic Nepal im Chitwan Nationalpark legt Alexandra Hummel einer nepalesischen Patientin mit Kniegelenksarthrose ein Kinesio-Tape an.

Early Excellence in Science Award

Der internationale Bayer Early Excellence in Science Award zeichnet herausragende Nachwuchswissenschaftler in der frühen Phase ihrer akademischen Laufbahn aus. Seit 2009 wählt eine unabhängige Experten-Jury drei Preisträger aus den Kategorien Biologie, Chemie und Materialien. Kriterien sind die Originalität der Forschung, die Qualität sowie die Signifikanz der Ergebnisse. Die Auszeichnungen sind mit jeweils 10.000 Euro dotiert. Die anderen beiden Awards erhielten 2013 die Chemikerin Dr. Abigail Doyle von der Princeton University und Dr. Javier Fernandez von der Harvard Universität in Boston. Doyle hat eine Methode für den milden und effizienten Einbau von Fluor in organische Moleküle entwickelt. Dies ermöglicht in Zukunft die Synthese von Stoffen mit einzigartigen, bislang unbekannten Eigenschaften. Fernandez hat ein neues Material namens „Shrilk“ erfunden. Es ist ähnlich fest und belastungsfähig wie Aluminium, wiegt aber nur die Hälfte, ist biologisch abbaubar, komplex formbar – und kann kostengünstig produziert werden. Dieses Material birgt Anwendungsmöglichkeiten unter anderem im Verpackungswesen und in der Medizin.

Bewerben – so geht’s richtig

Mithilfe maßgeschneiderter Stipendienprogramme (Fellowship Program) unterstützt die Bayer Science & Education Foundation junge Talente im In- und Ausland und hilft ihnen, besondere Studien- und Berufsvorhaben zu realisieren.

Wer kann sich bewerben?

  1. Bewerber aus Deutschland, die im Ausland ein besonderes Studien- oder Ausbildungsprojekt anstreben, 
  2. ausländische Bewerber, die ein Projekt in Deutschland realisieren wollen. Die Bewerber sollten – neben guten Noten in Schule und Studium – vor allem eins mitbringen: Pioniergeist und eine individuelle Projektidee, bei deren Realisierung die Bayer-Stiftung als Partner gewünscht wird.

Welche Fachrichtungen werden gefördert?

  1. Otto-Bayer-Stipendien richten sich an Studierende der Natur- und Ingenieurwissenschaften.
  2. Carl-Duisberg-Stipendien unterstützen Studierende der Human- und Veterinärmedizin.
  3. Jeff Schell Stipendien für Studierende der grünen Gentechnik, Agronomie und Pflanzenwissenschaften.
  4. Kurt-Hansen-Stipendien gelten für Studierende des Lehramts für Naturwissenschaften.
  5. Hermann-Strenger-Stipendien fördern Auszubildende und junge Berufstätige in nicht-akademischen Berufen aus den Bereichen Technik, Naturwissenschaften und Gesundheitswesen sowie kaufmännische Berufe.

Was wird gefördert? Und wie lange?

Praktika, Ausbildungskurse, Famulaturen, Auslandssemester, Forschungsprojekte, Diplom- und Masterarbeiten sowie Promotionsvorhaben. Eine Regelförderung für ein Inlandsstudium sowie eine Förderung bereits abgeschlossener Projekte ist nicht möglich. Die Unterstützung der Stiftung läuft bis zu einem Jahr.

Wie hoch ist die Fördersumme?

Prinzipiell soll die Förderung den Lebensunterhalt, die Reise- sowie anfallende Projektkosten decken. Dazu kann jeder Bewerber individuelle Angaben im Kostenplan machen, über die der Stiftungsrat seine Förderentscheidung trifft.

Wann kann man sich bewerben?

Bewerbungen sind online möglich. Unbedingt dazu gehören: Passfoto, Sprachnachweis und Bestätigungsschreiben der Stelle im Ausland sowie Zeugnisse. Die aktuelle Bewerbungsrunde der Stipendien für Studierende und Auszubildende läuft vom 1. Juni 2014 bis 15. Juli 2014.

Wo gibt’s weitere Informationen?

Telefonisch unter: (02 14) 304 11 11
Im Internet: www.bayer-stiftungen.de
Kontakt: scholarships@ba5534e02fc549f699d483f24855df69bayer-stiftungen.de

Teil 2

Dolmetscher in der Arztpraxis

Dolmetscher in der Arztpraxis

Die Bayer Cares Foundation unterstützt soziale Innovation, beispielsweise an der Schnittstelle zum Gesundheitswesen. Die Studenteninitiative „Was hab` ich?“ hat beim Aspirin Sozialpreis 2014 den Publikumspreis erhalten und zusätzlich den zweiten Platz belegt. Der kostenlose Dienst übersetzt medizinische Fachausdrücke in leicht verständliche Sprache.

Lesen Sie Teil 2 „Dolmetscher in der Arztpraxis“