Porträt

„Nur glückliche Forscher sind gute Forscher“

  • Zusammen mit (v. li.) Dr. Rudolf Schohe-Loop und Dr. Susanne Röhrig arbeitet Dr. Bernd Riedl heute in der Thrombose-Forschung bei Bayer HealthCare in Wuppertal.
  • Forscherglück: Dr. Bernd Riedl braucht das Motorradfahren als einen Gegenpol zu seiner Forschungsarbeit.
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Zusammen mit (v. li.) Dr. Rudolf Schohe-Loop und Dr. Susanne Röhrig arbeitet Dr. Bernd Riedl heute in der Thrombose-Forschung bei Bayer HealthCare in Wuppertal.

„Mein Name ist Bernd Riedl, ich bin 51 Jahre alt und Chemiker bei Bayer HealthCare in Wuppertal.
Mein Team und ich haben einen Wirkstoff synthetisiert, der mittlerweile zur Behandlung verschiedener Krebsarten zugelassen ist.

Meine Liebe zur Chemie entdeckte ich bereits in der ersten Chemie-Stunde in der Schule. Während des Chemiestudiums in Stuttgart habe ich dann im Arbeitskreis von Prof. Ulrich Schmidt komplexe Naturstoff-Moleküle hergestellt – ‚gekocht‘ wie wir Chemiker gern sagen - eine anwendungsorientierte und zielgerichtete Forschungsarbeit, die mir sehr gefiel. Wir wollten die komplexen Systeme der Natur nicht nur kopieren, sondern in ihrer Wirkung sogar verbessern.

Damals, während meines Studiums, flossen jede freie Minute und jede freie Mark ins Motorradfahren. Ohne die intensive Unterstützung meiner Eltern wäre aus meinem Studium vermutlich nichts geworden.
Meine Forschungsarbeit heute hat einen sehr persönlichen Bezug, denn mit dem Thema Krebs kam ich schon früh im engsten Familienkreis in Berührung. Zwei gute Studienkollegen habe ich auch durch Krebs verloren, einen davon innerhalb von vier Monaten durch Leberkrebs. Damals wusste ich noch nicht, wie sehr mich diese Ereignisse bei der Entdeckung eines neuartigen Wirkstoffs gegen Krebs antreiben würden.

Als chemischer Projektleiter bin ich 1996 in den USA in ein laufendes Projekt eingestiegen. Dort suchte ein Forscherteam nach Verbindungen, die Enzyme ausschalten, welche bei der Teilung von Tumorzellen eine entscheidende Rolle spielen. Unser Team begann mit einem kleinen Molekül zu arbeiten und synthetisierte nah Verwandte davon, die dann von Biologen untersucht wurden. Was wir nach einem Jahr und einigen Lernzyklen „gekocht“ hatten, wirkte zwar gegen Krebszellen, war aber für die Anwendung am Menschen noch nicht geeignet.

Forschungsarbeiten sind nur im Team möglich

Wir fragten uns, ob das mit dem Wirkmechanismus, also der Hemmung der Zellteilung, zusammenhing oder ob es reiner Zufall war. Nach einem weiteren Jahr Arbeit waren wir dann dem Ziel nahe. Wir entwickelten eine weitere Serie von über 50 neuen Verbindungen, die wir alle im Labor synthetisierten. Ich war davon überzeugt, dass sich darunter das richtige Molekül befinden musste. Wir fanden tatsächlich eine kleine Gruppe von gut verträglichen Molekülen, die gleichzeitig die gewünschte Wirkung gegen Krebszellen zeigte. Aus dieser Gruppe identifizierten wir schließlich auch das Molekül, das später als Wirkstoffkandidat in die klinische Entwicklung ging und mittlerweile als Krebsmedikament für bestimmte Tumorindikationen zugelassen ist.

Gemeinsam mit der biologischen Projektleiterin Barbara Hibner leitete ich das Projektteam mit rund 25 Kollegen aus aller Herren Länder. Derartige Forschungsarbeiten sind nur im Team möglich, allein geht da gar nichts. Wir haben gemeinsam an einem Strang gezogen, manchmal unorthodox, aber immer sehr effektiv und letztendlich auch sehr erfolgreich.

Zusammen mit meinen Kollegen Timothy Lowinger, Scott Wilhelm und Edward Huguenel erhielt ich für diese Teamleistung im Jahr 2004 die Otto-Bayer-Medaille – die höchste Auszeichnung für wissenschaftliche Arbeit bei Bayer.

Zurück in Deutschland fand ich neue Aufgabengebiete in der Medizinischen Chemie im Forschungszentrum von Bayer HealthCare in Wuppertal. Natürlich verfolge ich die Entwicklung des Wirkstoffs weiterhin mit großem Interesse: Es ist wie bei einem eigenen Kind – man will dabei sein, freut sich und ist stolz, wenn es sich gut entwickelt.“  

Letzte Änderung: 4. November 2013  Copyright © Bayer AG
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