• App gegen Esstörungen

    Magersucht-Therapie mit dem Smartphone

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    Digitale Essprotokolle: Ekaterina Karabasheva weiß als ehemalige Betroffene genau, was Magersuchtpatienten brauchen – und wie die neu entwickelte App sie in ihrem Alltag optimal unterstützen kann.

Magersuchttherapie mit dem Smartphone: Die App Jourvie unterstützt Menschen mit Essstörungen. Ekaterina Karabasheva hat sie entwickelt, und das Team gewann damit den 1. Platz beim Aspirin Sozialpreis 2015.

Aspirin Sozialpreis für das Projekt Jourvie

„Die App hilft Patienten, ihre Essprotokolle einfach digital zu führen.“

Research sprach mit Ekaterina Karabasheva.

Wie entstand die Idee zu Jourvie?

Vor einigen Jahren litt ich selbst an Magersucht. Ein wichtiger Teil meiner Therapie war, Essensprotokolle zu führen, die ich mit meiner Therapeutin durchsprach. Aber ich wollte natürlich die ausgedruckten Protokollbögen nicht in aller Öffentlichkeit ausfüllen. Das war mir zu peinlich und ich habe sie auch oft zu Hause vergessen. Vielen Betroffenen geht es genauso. Den Therapeuten fehlen dann aber wichtige Informationen, um krankheitsbedingte Verhaltens- und Denkmuster zu identifizieren. Diese sind allerdings für eine erfolgreiche Behandlung unverzichtbar. Damals gab es aber noch keine Smartphones. Deshalb habe ich meine Protokolle ins Handy getippt und als SMS abgespeichert. Erst später wurde mir bewusst, dass man das auch besser lösen könnte.

Wie kam es dann zu der App?

Ich habe das Konzept 2013 im Rahmen meiner Masterarbeit in Kommunikationswissenschaften entwickelt. Dazu habe ich viel mit Ärzten aus der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Berliner Charité gesprochen. Der Konzeption lag immer die Frage zugrunde: Was brauchen die Patienten, was die Therapeuten? Technisch umgesetzt hat die App natürlich der Softwareentwickler in unserem Team. 2014 habe ich dann die gemeinnützige Unternehmergesellschaft Jourvie gegründet, die mittlerweile ein vierköpfiges Team umfasst. Und seit Anfang 2015 ist die App kostenlos für Android-Geräte erhältlich. Damit können die Patienten ihre Essprotokolle einfach digital führen. Die App gibt ihnen aber auch zusätzliche Tipps, wie sie mit schwierigen Situationen wie Essattacken umgehen können. Die Nutzer können zudem eigene Motivationsstrategien einspeichern.

Planen Sie bereits Weiterentwicklungen?

Wir entwickeln jetzt auch eine Software, die als Plattform zum direkten Datenaustausch zwischen Patient und Therapeut dienen soll

Ja, weil immer mehr Therapeuten und Ernährungsberater ­fragen, wie sie Jourvie nutzen können. Wir entwickeln jetzt nicht nur eine Version für iPhones, sondern auch eine Software, die als Plattform zum direkten Datenaustausch zwischen ­Patient und Therapeut dienen soll. Eine Testversion ist gerade in Arbeit. Nutzer, Interessenten und Forscher liefern außerdem ständig neue Ideen. Viele Betroffene wünschen sich zum ­Beispiel motivierende Bilder, Videos oder Musik.

Wie gestaltet sich die Arbeit als gemeinnützige Initiative?

Eine wichtige Basis war unser Arbeitsplatz im Social Impact Lab in Berlin. Dort konnten wir in der Anfangsphase tätig sein und uns mit anderen Gründern und Sozialunternehmern vernetzen und austauschen. Unser Team entwickelt die Idee immer weiter – leider können wir das nicht in Vollzeit leisten. Wir sind auf Fördermittel und Unterstützungsgelder angewiesen. In Zukunft soll die Finanzierung verstärkt über Forschungsprojekte und die Krankenkassen laufen.

Was bedeutet die Auszeichnung für Ihr Projekt?

Das Preisgeld nutzen wir für die Weiterentwicklung der App. Aber der Preis ist auch ein Türöffner für uns: Der Name Bayer hilft enorm dabei, auch bei professionellen Institutionen das Interesse an unserem Projekt zu steigern. Im Juli haben wir zum Beispiel mit der Bayer Science & Education Foundation auf der IdeenExpo 2015 in Hannover ausgestellt. Darüber hinaus konnten wir wichtige Kontakte knüpfen, etwa mit dem Kompetenznetz Adipositas.

Wie steht es um Kooperationspartner aus Forschung und ­Medizin?

Die Berliner Charité ist nach wie vor unser wichtigster Partner aus Therapie und Wissenschaft. Im Moment planen wir auch mit einer anderen Klinik ein Forschungsprojekt, um die Therapieergebnisse mit Jourvie wissenschaftlich zu überprüfen. Dabei vergleichen wir zwei Gruppen, die mit und ohne Unterstützung der App behandelt werden. Mit den Ergebnissen wollen wir Krankenkassen und weitere potenzielle Partner von Jourvie überzeugen.

Bayer Aspirin Sozialpreis 2015
Bayer Science Teens: Wissenschafts-Camp in den USA

Ferienforscher auf 3.000 Metern

Die Bayer Science & Education Foundation ermöglichte naturwissenschaftlich interessierten Schülern ein Sommer-Camp im US-Bundesstaat Colorado.

Anatomie zum Begreifen: Rebecca Thielemann (li.) und Alena ­Hensel setzten sich im Sommer-Camp intensiv mit den menschlichen ­Organen auseinander. Das Hirnmodell faszinierte sie besonders.

Schafe sezieren ist sicher nicht jedermanns Sache – im Hochgebirge experimentieren vielleicht schon eher. Beides waren Programmpunkte beim ­Sommer-Camp im amerikanischen Colorado: Dort konnten 20 naturwissenschaftlich begeisterte Jugendliche aus Deutschland, Indien und den USA ihrem Forscherdrang freien Lauf lassen. So setzten sie sich beispielsweise intensiv mit der Anatomie des Körpers auseinander: „Mir wurde dabei zwar etwas schlecht. Aber ich fand es sehr interessant zu lernen, wie Herz, Lunge oder Augen wirklich aussehen“, berichtet die 14-jährige Rebecca Thielemann aus Deutschland. Die Nachwuchsforscher betätigten sich aber auch als Baumeister in Sachen Mensch: „Wir haben an menschlichen Skeletten aus Plastik die Muskeln von Wirbelsäule und Beinen mit Ton modelliert – und eine Menge über Evolution und Anatomie gelernt.“ Auch Versuche in der Natur standen auf dem Programm: Die Teilnehmer experimentierten in den Rocky Mountains in 3.000 Meter Höhe mit dem Atmosphärendruck. Alle Aktivitäten hielten Rebecca und ihre jungen Mitforscher mit einer Kamera fest: „Wir haben unsere zweiwöchige Reise als Film dokumentiert und dabei auch viel über Lernpsychologie erfahren.“ Organisiert wurde das Camp von der Bayer Science & Education Foundation gemeinsam mit der Bayer USA Foundation und dem Center für STEM Learning der University of Colorado.

Experten und Jungforscher im Dialog

Neue Talente für die Gesellschaft

Rund 120 Nachwuchswissenschaftler trafen sich beim Bayer Alumni Dialog 2015: Die Bayer Science & Education Foundation lud aktuelle und ehemalige Stipendiaten sowie Preisträger nach Berlin ein.

Kreativer Kopf: Die Ärztin aus der Abteilung Medical Affairs, Pooja Merchant, refe­rierte beim Bayer Alumni Dialog über ein Stiftungsprojekt für Tuberkulose-Patienten in Moldawien.

Wer sich vernetzt, forscht effektiver. Das war eine der Kernbotschaften, die Dr. Ijad ­Madisch, Mitbegründer und Geschäftsführer von ­ResearchGate – einer Social Community für Forscher – beim Bayer Alumni Dialog im Juni 2015 in Berlin den Stipendiaten mit auf den Weg gab. In seinem Vortrag machte der Virologe außerdem deutlich, wie wichtig es für junge Wissenschaftler ist, sich gegenseitig zu inspirieren: Die von ihm initiierte Internet-Plattform lebt von der Idee, dass Forscherinnen und Forscher mehr erreichen, wenn sie sich vernetzen. Madisch ermutigte die jungen Frauen und Männer, eigene Ideen zu entwickeln und sich damit selbstständig zu machen.

Wer sich vernetzt, forscht effektiver

Diesen offenen Gedankenaustausch fördert auch die Bayer-Stiftung und lud deshalb die Stipendiaten aus aller Welt in die deutsche Hauptstadt: Die Nachwuchswissenschaftler konnten sich dort nicht nur untereinander vernetzen, sondern sich auch mit ehemaligen Stipendiaten und aktuellen Preisträgern wie Dr. Markus Bender austauschen: Er erhielt für seine Arbeit zu einer seltenen Erbkrankheit der Blutgerinnung den Bayer Thrombosis Research Award 2015
(s.a. „Wenn das körpereigene Pflaster versagt“).

Talentierte Köpfe, Kreativität und leidenschaftliche Forschung sind aber auch in Unternehmen gefragt – und Innovationen, mit denen sich gesellschaftliche Herausforderungen lösen lassen. Darüber sprachen vier ausgewählte junge „Bayer-Talente“, darunter Pooja Merchant: Die Ärztin arbeitet in der Abteilung Medical Affairs bei Bayer in Berlin. Sie war bereits an einem Stiftungsprojekt beteiligt, in dem Bayer-Mitarbeiter die Versorgung von Tuberkulosepatienten in Moldawien erleichterten. Unkonventionelles Denken und Ideen machen also einen Unterschied – wenn die kreativen Köpfe sich austauschen.