Dr. Wolfgang Plischke über die Bedeutung der Forschung bei Bayer und deren weiteren Ausbau:
"Unsere Innovationsfähigkeit macht den Unterschied"


Garantien gibt es in der Forschung nie. Aber unsere Investitionen sind die Basis dafür, dass wir aus Ideen und Erfindungen marktfähige Produkte machen können. Unsere Innovationsfähigkeit ist es, die im globalen Wettbewerb häufig den entscheidenden Unterschied ausmacht. Für Bayer als Erfinder-Unternehmen bedeutet dies, sich durch Exzellenz in Forschung und Technologie und durch innovative Produkte am Markt zu differenzieren und zu behaupten.
An welche Produkte denken Sie dabei konkret?
Zum Beispiel ist das Medikament Xarelto von Bayer HealthCare, das in Europa und Kanada bereits zugelassen ist – eine herausragende Innovation. Dank seiner besonderen Eigenschaften kann es die Thrombose-Behandlung geradezu revolutionieren. Studien haben ergeben, dass es weltweit als das viertwertvollste Pharma-Entwicklungsprodukt bewertet wird.
Ist dieses hohe Maß an Innovationsfähigkeit denn auch bei den anderen Teilkonzernen zu finden?
Unbedingt. Unser Portfolio im Bereich des Pflanzenschutzes bei Bayer CropScience ist unbestritten das innovativste am Markt. Und bei Bayer MaterialScience können wir mit Stolz behaupten, Technologieführer in so wichtigen Produktionsprozessen zu sein.
Welche Rolle kommt in diesem Zusammenhang der Bayer-Holding zu?
Sie muss die geeigneten Rahmenbedingungen schaffen. Dazu gehört natürlich in besonderem Maße ein kompetitives F&E-Budget. Darüber hinaus müssen wir in dem, was wir tun, exzellent sein, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Hier haben wir in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte erzielt…
…die worauf beruhen?
Echte Innovationen auf den Markt zu bringen, wird von Jahr zu Jahr anspruchsvoller. Dies gelingt heute am besten durch vernetztes Arbeiten über alle Disziplinen, Aufgaben und Grenzen – oft auch über die Grenzen des Konzerns hinweg. Es wird natürlich noch Erfindungen geben, die ein einzelner Wissenschaftler entdeckt hat. Um diese aber zu einer Innovation zu machen, wird immer ein starkes Team gebraucht. Und dazu wiederum gehören herausragende, engagierte und motivierte Wissenschaftler und Ingenieure, über die wir zum Glück verfügen.
Kann man aus dieser Antwort schließen, dass sich Bayer in Forschungsfragen noch stärker nach außen öffnet?
Genau das. Ein Großteil der Forschung und Wissenschaft findet außerhalb von Bayer in Universitäten und Forschungsinstituten statt. Deshalb liegt mir sehr daran, starke Netzwerke als Ergänzung zu unseren eigenen Kompetenzen zu haben. Mit effizienten Kooperationen und strategischen Partner schaften sowie Symposien mit externen Wissenschaftlern wollen wir dies erreichen.
Gibt es bereits konkrete Maßnahmen als Beispiele für zukünftige Formen der Zusammenarbeit?
Allein in diesem Jahr haben wir einige wichtige Kooperationen auf den Weg gebracht: den Vertrag mit dem „Center for Integrated Protein Science“ in München, die Rahmenvereinbarung von Bayer HealthCare mit der Uniklinik Köln, die Zusammenarbeit mit der Chinese Academy of Agricultural Science auf dem Gebiet der Biotechnologie und das Katalysezentrum in Aachen mit intensiver Beteiligung von Bayer MaterialScience und Bayer Technology Services – um nur einige Beispiele zu nennen.
Welche Rolle spielt dabei die von Ihnen hervorgehobene Exzellenz?
Die entscheidende. Denn eines haben all diese Kooperationen gemeinsam: Unsere Partner gehören zu den Besten weltweit auf ihrem jeweiligen Forschungsgebiet. Und zu den Besten weltweit gehören auch unsere Forscherinnen und Forscher. Davon habe ich mir bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten selbst ein sehr gutes Bild machen können.
Aber müsste nicht zunächst einmal für entsprechende Netzwerke innerhalb des Konzerns gesorgt werden?
Zum einen geschieht das bereits seit geraumer Zeit, und zum anderen schließt ja das eine nicht das andere aus. Gerade die Förderung und Personalentwicklung von Wissenschaftlern über die Grenzen der Teilkonzerne hinweg schaffen wertvolle Optionen für den Konzern.
Wie steht es denn um die Entwicklung junger Talente im Bereich Forschung und Entwicklung?
Das ist in der Tat eine wichtige Frage. Wir sind auf diesem Gebiet sehr engagiert. So haben wir vor genau diesem Hintergrund den „Young Talents Club“ ins Leben gerufen. Dazu sind 30 Forscher und Wissenschaftler der drei Bayer Teilkonzerne sowie von Bayer Technology Services von ihren Gesellschaften ausgewählt worden. Den Ausschlag gaben dabei ihre herausragenden Leistungen in Forschung und Entwicklung und ihre bedeutenden Beiträge zur Gestaltung der weltweiten Innovationsaktivitäten von Bayer.
Welches Ziel wird denn mit dem „Young Talents Club“ verfolgt?
Neben dem Aspekt der persönlichen Vernetzung untereinander soll die Gruppe in den nächsten Monaten Ideen erarbeiten, wie die von Bayer betriebene Innovation durch externe Stakeholder noch besser wahrgenommen wird, und wie man die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten von Bayer nach außen hin noch besser sichtbar machen kann.
Bei all der Bedeutung, die dem Themenfeld Innovation und damit auch den jungen Wissenschaftlern beigemessen wird, kann der Eindruck entstehen, als komme es auf einen Faktor gar nicht mehr so sehr an – auf Erfahrung.
Dieser Eindruck täuscht. Im Gegenteil: Wir bauen gerade auf das Know-how der erfahrenen Forscher, das erst die Basis für exzellente Forschung darstellt. Dazu haben wir mit dem „Expert-Club“ auch den entsprechenden Rahmen geschaffen. Uns kommt es darauf an, dass diese Experten nicht nur spezifische Forschungsthemen diskutieren, wir möchten sie vielmehr auch in übergreifende F&E-Themen stärker einbinden. Denn wir sollten uns immer wieder vor Augen halten: Bei Bayer ist sehr viel Wissen versammelt, wir müssen es nur nutzen.
Unabhängig von der Wertschätzung der erfahrenen Mitarbeiter – irgendwann werden auch sie aus dem Unternehmen scheiden, und heute wird bereits ein Fachkräftemangel prognostiziert, der sicherlich auch den Bereich Forschung und Entwicklung betrifft.
Darum sind die Nachwuchsförderung und das Recruiting generell große Herausforderungen für die industrielle Forschung. Wir wissen, dass die Naturwissenschaften nicht die beliebtesten Studienfächer sind. Deshalb fördern wir Studenten der Naturwissenschaft und Medizin in erheblichem Umfang – zum Beispiel, wenn sie ins Ausland gehen möchten. Wir veranstalten Doktoranden-Kurse und Post-Doc-Workshops für Chemiker, Biologen und Ingenieure. Die ‚Bayer Science und Education Foundation‘ vergibt Wissenschaftspreise, es gibt den Otto-Bayer-Preis, den Familie- Hansen-Preis und jetzt auch den ‚Bayer Climate Award‘. Immer geht es um die Würdigung und Auszeichnung bedeutender Forschungsarbeiten. Sie sehen: Das Band zwischen Bayer und externer Wissenschaft ist eng geknüpft.
Schlägt sich das auch in einem Zustrom von neuen Talenten aus den Hochschulen nieder?
Gerade die Anzahl der Neueinstellungen bei den Naturwissenschaftlern und Ingenieuren steigt seit geraumer Zeit wieder signifikant an. Auch dies verdeutlicht die Wichtigkeit von Wissenschaft und Forschung in unserem Unternehmen. Und all dies trägt dazu bei, dass wir nicht nur heute, sondern auch in Zukunft herausragende Innovationen präsentieren können.

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